[Historical Remarks:] Eine seltene Freundschaft …

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© Foto: Pixabay (2018)

Schon seit etwa drei Jahren pflege ich ein besonderes Projekt: Ich lese jeden Tag in Wikipedia, und zwar fortlaufend die Einträge zu jeweils einem Jahr, seit dem Jahr 1 n. Chr.

Das Spannende daran ist: Ich bekomme dabei alle wichtigen Geschehnisse weltweit parallel geliefert. Ich lese also für jedes Jahr, was sich gleichzeitig in Europa, Amerika, Afrika und Asien usw. zugetragen hat (sofern hier historische Quellen vorliegen). Dadurch lassen sich wunderbare Zusammenhänge erkennen und verstehen. Und mein geschichtliches Wissen erweitert sich dadurch zusehends.

Mittlerweile habe ich das Jahr 1325 erreicht. In diesem bin ich auf folgendes kleine, aber feine Ereignis gestoßen: nämlich auf eine seltene Geste des damaligen Habsburger Regenten Friedrich den Schönen und die darauf folgende freundliche Reaktion seines Widersachers, des römisch-deutschen Königs Ludwig IV. des Bayern. Bei Wikipedia ist da zu lesen:

»Konfrontiert mit dem fortgesetzten Widerstand von Leopold von Habsburg, dem Bann durch Papst Johannes XXII. und dem darauf folgenden Abfall des böhmischen Königs Johann von Luxemburg lässt der römisch-deutsche König Ludwig IV. den Habsburger Friedrich den Schönen nach dreijähriger Gefangenschaft mit dem Trausnitzer Vertrag frei. Als Gegenleistung erkennt Friedrich Ludwig als rechtmäßiges Reichsoberhaupt an und verpflichtet sich, sich wieder als Gefangener zu stellen, wenn es ihm nicht gelänge, seine Brüder Leopold und Rudolf zur Unterwerfung unter Ludwig zu bewegen. Als ihm diese Unterwerfung bei Leopold nicht gelingt, kehrt er, obwohl ihn Papst Johannes XXII. seiner Verpflichtung entbindet, als Gefangener nach München zurück. Ludwig kommt angesichts dieser Geste mit Friedrich überein, die Regierung des Reiches gemeinsam zu führen, ein Vertrag, der von den Kurfürsten und dem Papst jedoch angefochten wird.« (Wikipedia, »1325«; abgerufen am 19.03.18)

Der Hammer, finde ich. Friedrich der Schöne kehrt freiwillig als Gefangener nach München zurück. Und begibt sich wieder in die Hände seines Gegners, König Ludwig IV. Und das trotz Rückendeckung des mächtigen damaligen Papstes Johannes XXII.

Ludwig ist angesichts dieser ehrwürdigen Geste so verblüfft, dass er die Feindschaft mit Friedrich beendet und ihn stattdessen zu seinem Kameraden und Mitregenten im Deutschen Reich erklärt.

Ach, denke ich da, kämen solche Gesten und Freundschaften doch nur öfter in der aktuellen politischen Weltgeschichte vor!

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10 Antworten zu [Historical Remarks:] Eine seltene Freundschaft …

  1. Myriade schreibt:

    Eine faszinierende Idee dieses Geschichtsprojekt !

  2. mmandarin schreibt:

    So geht es also auch…, ein wunderbares Beispiel für friedliche Lösungen von Konflikten Könnten wir das doch auf heutige Konfliktherde anwenden. Danke für diesen positiven Bericht, ich werde es weitergeben, Marie

    • mwehrstedt schreibt:

      Danke, liebe Marie, für diese Rückmeldung. Die genaueren Hintergründe dieses Ereignisses kenne ich zwar (noch) nicht. Aber es ist doch bemerkenswert, wenn zwei politische Kontrahenten wie diese beiden mit einem Male zu Kooperationspartnern werden. Einen wunderschönen Tag dir noch! Markus

  3. undiversell schreibt:

    Was für eine schöne Idee, jeden Tag ein Jahr der Weltgeschichte nachzuvollziehen. Schade, dass du erst im Jahr 1325 auf so eine schöne Geschichte gestoßen bist. Freue mich über jede weitere dieser Art, die du noch findest. LG Undine

  4. Echt ein interessantes Projekt! 🙂

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