[Daily Inspiration]: Jeder fürchtet den langen Satz – ich nicht!

Gerade bilde ich mich weiter, was gutes Schreiben betrifft. Ich arbeite ja schon seit einiger Zeit an einem ersten Krimi. Roy Peter Clark empfiehlt im Rahmen seiner „50 Werkzeuge für gutes Schreiben“ (2009) im sechsten Kapitel „Fürchte nicht den langen Satz“:

Jeder fürchtet den langen Satz. Redakteure fürchten ihn. Die meisten Autoren fürchten ihn. Sogar ich fürchte ihn. Da sehen Sie. Noch ein kurzer Satz. Kürzer. Fragmente. Frags. Nur Buchstaben. F…f… Kann man einen Satz ohne Buchstaben schreiben? Nur Punkte vielleicht? …#:?!“

Also: Ich kann dazu nur sagen. Ich. Fürchte. Den. Langen. Satz. Nicht. Punkt. Aus! Und damit: Gute Nacht. Für heute! 🙂

Roy Peter Clark: Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben. Handbuch für Autoren, Journalisten & Texter. Deutsch von Kerstin Winter (Berlin 2009, 7. Aufl. 2015; 350 S.). Amerikanische Originalausgabe: Writing Tools (New York 2006).

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20 Antworten zu [Daily Inspiration]: Jeder fürchtet den langen Satz – ich nicht!

  1. … ich habe ihn noch nie gefürchtet, obwohl sie viele lange Sätze ablehnen oder sogar davor warnen …
    Segen und Punkt.
    M.M.

  2. SackingBob74 schreibt:

    Augen öffnend war in dieser Hinsicht erneut der Anhalter, da Douglas Adams es einmal geschafft hat, einen Satz zu schreiben, unter dem er verschmitzt fragte, wie oft man ihn habe lesen müssen, um das Geschriebene zu verstehen. Kafka hatte es sogar geschafft eine Geschichte über ca. eine DIN-A4 Seite, mit nur zwei Sätzen zu schreiben.
    Für mich ist das nichts, da ich lange Sätze generell vermeiden würde, da sie der Lesbarkeit nicht zuträglich sind und vom Kern ablenken, wenn man es nicht geschickt anstellt. 😉

    • mwehrstedt schreibt:

      Genau das ist es: Ich muss es schon geschickt anstellen, dass die Lesenden mir bei längeren Sätzen noch folgen können. Wenn ich diese Technik beherrsche, kann richtig Musik ins Satzgefüge kommen 🙂
      Und: Douglas Adams und Franz Kafka schrieben natürlich als Meister ihres Faches – echt gute Beispiele an dieser Stelle.

  3. Ruhrköpfe schreibt:

    Einer oder ganz viele?
    Kommt darauf an, ob ich Texte mit viel zu langen Sätzen später lesen muss 😉

  4. Stephanie Jaeckel schreibt:

    Der lange Satz ist ein Phantom. Alle fürchten ihn. Vor allem im Hörfunk wird man gewarnt. Oder überhaupt in allen Medien, in denen für die Ohren getextet wird. Ist aber Quatsch. Wenn der lange Satz klug und stimmig gebaut ist, merkt keiner, dass zwischendrin Punkte fehlen (oder eben: vermeintlich fehlen). Ein langer Satz ähnelt, würde ich sagen, einem Gedanken, der so ein bisschen mäandert, bevor er zu einem Ende kommt. Wir können alle denken und unseren Gedanken die meiste Zeit folgen. Vielleicht ist der lange Satz sogar fürs Hören viel eher gemacht als der kurze?

    • mwehrstedt schreibt:

      Genau, der lange Satz sollte „klug und stimmig gebaut“ sein. Der Trick ist: Der kurze Satz bremst (erzeugt z. B. Spannung), der lange Satz erhöht eher das Tempo. Die gesunde Mischung von beidem macht es dann, so Roy Peter Clark. Gute, lange Sätze fühlen sich dann wie ein literarischer D-Zug an. Das kann richtig gut klingen.

  5. Christiane schreibt:

    Vielleicht können allzuviele einfach keine (verständlichen) langen Sätze mehr schreiben?
    Vielleicht reicht unsere (allgemeine) Aufmerksamkeit nicht mehr für lange Sätze mit Gedanken und Nebengedanken?
    Fragen über Fragen ….
    Liebe Grüße
    Christiane
    (Dein Buch wurde übrigens gelobt.)

  6. undiversell schreibt:

    Ein interessanter Gedanke: Ich schreibe leider viel zu lange Sätze, am liebsten alles nur mit Komma getrennt :-). Aber seit wann kommt es auf die …. Liebe Grüße Undine

    • mwehrstedt schreibt:

      Hm, lange Sätze müssen nicht unbedingt ein Problem darstellen, so Roy Peter Clark. Sie sollten nur zusammen mit kürzeren variiert werden. Und auf die … kommt es natürlich nicht immer an – obwohl: beim Schreiben schon 🙂
      Liebe Grüße
      Markus

  7. ..dann solltest du mal was von Jeremias Gotthelf lesen 😉

  8. nurmalich schreibt:

    Ichdenke, es kommt immer auch darauf an, für wen ich schreibe oder rede. Wenn ich zum Beispiel mit Kindern zusammen bin, rede ich anders als wenn ich einem Freund einen Brief schreibe oder wenn ich einen Leserbrief für die Zeitung, einen Artikel für eine Veröffentlichung schreibe, der von Kollegen verstanden werden soll.
    Wichtig ist mir aber immer, dass der Hörer / Leser am Ende noch weiß, wie der Satz angefangen hat. Und nach Möglcihkeit sollte das Ganze natürlcih grammatikalisch auch stimmen.

    • mwehrstedt schreibt:

      Ja, da gebe ich dir gerne in allem recht. Es kommt beim Verfassen von Texten immer auch auf den jeweiligen ‚Sitz im Leben‘ an. Ich dachte in meinem Beitrag in erster Linie an Romane und Krimis. Und hier gilt meine Empfehlung, nicht zu eintönig zu schreiben und ruhig die Vorteile von Tempowechseln zu nutzen. Liebe Grüße, Markus

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