Von Rabenmüttern, Kampfmüttern und fröhlich flatternden Schmetterlingen – Ein kleiner Nachtrag zum gestrigen Muttertag …

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Foto: Encourager68 (Mai 2014)


Hat es gestern am Muttertag eigentlich auch unglückliche Mütter gegeben? Mütter, die sich eher vernachlässigt, zum Teil ausgenutzt und (zu) wenig wertgeschätzt fühlen?

Ja, hat es. Leider. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Denn gestern hatte ich die günstige Gelegenheit, selbst eine gestandene Mutter auf ihr Tagesgefühl am Muttertag hin anzusprechen. Ich fragte sie: Wofür sollten Dir Dein Mann und Deine Kinder heute dankbar sein? Ihre Antwort:


„Für nichts.

Weil ich keine Mutter sein will.

Und mein Säen und Düngen hat eh nichts gebracht.

Außer Müdigkeit und Erschöpfung.

Meine Kinder sind meine Saat.

Aber meine Erde war nicht gut.“


Meine Erwiderung darauf:


„Ach was, für das meiste können wir gar nichts, glaube ich. Das meiste hängt an den Genen. Und auf die haben wir (noch) keinen Einfluss. Schau lieber auf das halbvolle Glas. Es ist auch vieles gut. Wenn Du heute kinderlos wärst, wärst Du vielleicht unglücklicher … Was würdest Du Dir denn wünschen?“


„Wertschätzung. Weißt du, ich brauche keine Geschenke …“


„Eine Umarmung?“


„Neeeeeee! Will ich nicht“


„Würdest Du Dich über Blumen freuen?“


„Neeee!“


Und dann sagt sie mir in zwölf Punkten aufrichtig und offen, wie sie sich selbst als Mutter aktuell einschätzt und fühlt, nämlich:


„1. Bin unordentlich

2. Hasse Kochen

3. Kann nicht zuhören

4. Kann nicht meine Gefühle zeigen

5. Bin aggressiv

6. Depressiv

7. Lebe in einer anderen Welt

8. Stelle mich immer in den Vordergrund

9. Will keine Rücksicht nehmen auf die Bedürfnisse anderer

10. Will leben

11. Ich hasse Putzen, Bügeln, Kochen, Backen, Aufräumen

12. Sorry, bin durcheinander“


Dunkle Wolken 10 % swFoto: Encourager68 (Mai 2014)

Daraufhin ich:


„Wow, das war jetzt aber ganz schön offen, ehrlich und tief … Hm, so geht es bestimmt auch noch anderen Müttern am Muttertag – die die Nase von allem voll haben …“


Sie:


„Ich sehe den Muttertag, wie eine Rabenmutter ihn sieht.

Aber lieber Rabenmutter sein als eine Kampfmutter.

Weißt du, woran du eine Kampfmutter erkennst??“


… fragt sie mich. Und ihre Antwort kommt prompt:


„Sie sind den ganzen Tag beschäftigt, ihren Nachkömmlingen vergessene Sportbeutel und Brotdosen hinterherzubringen.

Nachmittags fahren sie dann zur Musikschule, Sport, Frühenglisch, Reiten, Schwimmen.

Dabei wird sich dann mit den anderen Kampfdroiden unterhalten.

Gelästert über unfähiges Lehrpersonal und Mütter.

Dann wird gekocht, nur gesund.

Keine Süßigkeiten.

Du erkennst sie aber auch an der Blässe und den Augenringen, weil sie ja bis spät noch Vokabeln lernen und Aufsätze schreiben und Bilder malen.

Dann muss ja noch gebügelt werden.

Und morgens muss man ja früh raus, schnell die Wohnung machen und die Brote schmieren.

Oft sind sie hager.

Das Fitnessprogramm bei den Stockenten darf nicht fehlen.

Sorry.“


Ich dazu:


„Das passt gut in einen Kampfmutterbeitrag. Aber es ist wohl der blöde Gesellschaftsdruck, der Mütter zu Kampfmüttern werden lässt. Nicht wenige lassen sich einfach zu häufig von diesem (stillen) Gesellschaftsdruck unterbuttern …“


Sie ergänzt:


„Anstatt was zu ändern, fange ich an, die Menschen zu hassen …

Ich ziehe mich zurück und schweige.“


Ich:


„Ja, vielleicht müssen wir uns noch mehr in Schmetterlinge verwandeln und freier und unbeschwerter fliegen lernen, von Blume zu Blume, jeden Tag neu.“


Mein Fazit aus diesem Gespräch für heute:
  • 1. Muttersein ist wohl tatsächlich nicht so einfach, wie mancher Mann denkt.
  • 2. Mütter mögen sich sehr unglücklich in ihrer Haut fühlen – auch wenn sie es nicht so nach außen hin zeigen.
  • 3. Mütter fühlen sich mitunter so unvollkommen, dass sie zu Depressionen neigen.
  • 4. Manche Mütter wollen alles aus ihren Kindern rausholen – und werden zu sog. ‚Kampfmüttern‘.
  • 5. Andere lassen sich von diesem unerbittlichen Konkurrenzkampf mitreißen – und machen sich selbst das Leben so schwer.
  • 6. Vielleicht nehmen sich zu viele Mütter zu wenig Zeit für sich selbst.
  • 7. Auch Mütter sollten den Mut haben, zu entdecken, was sie selbst am nötigsten brauchen.
  • 8. Mütter sollten sich entfalten lernen und den Mut haben, sich neu aus fleißigen Raupen in luftige und munter flatternde Schmetterlinge zu verwandeln.

Blumen 10 %Foto: Encourager68 (Mai 2014)

© Encourager68 (Mai 2014)

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8 Antworten zu Von Rabenmüttern, Kampfmüttern und fröhlich flatternden Schmetterlingen – Ein kleiner Nachtrag zum gestrigen Muttertag …

  1. waldfee schreibt:

    Wie wahr. Ich denke es ist wirklich unsere Gesellschaft. All die vielen Zwänge, nicht zu versagen und wenn du verzagt hast, bist du draußen. Eine Mutter nuss heute alles im Griff haben und dabei noch Arbeiten und natürlich das eigene Sportprogramm nicht vergessen. Früher durfte eine Mutter noch Mutter sein und sich einfach nur den Grundbedürfnissen seiner Kinder hingeben. Heute ist sie eine Managerin und wenn ihre Kinder nicht ganz oben in den Charts stehen , hat sie versagt. Sie müssen ihre Kinder mehr fördern………. Sie geben sich die Schuld.

    • mwehrstedt schreibt:

      Ja, diese Jagd nach der besten Bildung für die eigenen Kinder nimmt manchmal traurige Züge an. Aber wir Menschen sind eben oftmals Herden- oder Schwarmwesen und wollen nicht so gerne negativ auffallen. Deswegen lassen sich Eltern millionenweise von diesem meistens unbarmherzigen Bildungs- und Konkurrenzkampf mitreißen. Meine Empfehlung: Mehr Mut zur Gelassenheit haben und den eigenen Kinder lieber helfen, ihren eigenen Weg zu finden.

  2. Ich bin überzeugt, dass es keine Rabenmütter gibt. Jede Mutter kann nur aus ihrer Geschichte und aus der jeweiligen aktuellen Situation heraus handeln. Ganz so negativ würde ich das Mutterdasein auch nicht sehen – es gibt durchaus die humorvollen, realitätsnahen und „Ich-lass-Fünfe-gerade-sein!“ Vertreterinnen dieser Damen. Ich hatte einmal über Rabenmütter geschrieben – also darüber, dass es sie nicht gibt – nicht einmal im Tierreich. Bei Interesse kann ich das gerne verlinken, da es zu deinem Beitrag passt. Herzliche Grüße aus Berlin! 🙂

    • mwehrstedt schreibt:

      Ja, kannst Du gerne verlinken, Anna. Diese Mutter, von der ich schrieb, war nur eine Momentaufnahme. Ich wollte damit nur zeigen, dass sich manche Mütter auch mal Zeit für sich selber nehmen sollten, um sich selber besser entfalten zu können. Herzliche Grüße zurück nach Berlin 🙂

      • Genauso habe ich deinen Text auch verstanden und es ist schade, dass dies von vielen Müttern vernachlässigt wird, warum auch immer. Ich bin der Ansicht, dass es den Kindern nur gut gehen kann, wenn es den Müttern auch gut geht – doch dafür müssen sie etwas tun – insbesondere gesellschaftlichen Druck ablegen. In diese Richtung geht mein Text. Ich bin gespannt, was du sagst. Liebe Grüße von Anna – http://annaschmidt-berlin.com/2014/05/19/rabenmutter-gibt-es-nicht/

      • mwehrstedt schreibt:

        Ein klasse Beitrag von Dir, Anna! Spricht mir (und sicher auch einer Menge Müttern) aus dem Herzen. Es ist so wichtig, uns auch um unsere eigene Seele und unseren eigenen Körper zu kümmern. Danke Dir für den Link! Liebe Grüße von Markus

      • Freut mich, dass es dir gefällt! Jede Mutter muss ihren eigenen Weg finden, aber es hilft schon zu wissen, dass man nicht perfekt sein muss und mit seiner Meinung nicht alleine ist. Liebe Grüße! 🙂

      • mwehrstedt schreibt:

        Ja, keiner von uns Menschen muss perfekt sein. Wir sind eben alle nur Menschen. Liebe Grüße zurück 🙂

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