Ein gemeinsamer Krimi-Abend – Kooperativ forschen, entdecken und handeln

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  • Der versammelte Mafia-Clan, noch einträchtig beieinander. Doch der nächste Mord wird kommen …
  • Foto: Encourager68 (April 2014 – mit freundlicher Erlaubnis der Mitspielenden)

 

Am 12. April 2014, 17:30 Uhr ist es soweit. Die Vorbereitungen für einen gemeinsamen und unterhaltsamen Krimiabend sind getroffen. Maria (auf dem Foto die schicke Dame mit der Sonnenbrille) hat uns alle dazu eingeladen. Nach und nach trudeln die einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des geplanten Rollenspiels ein. Richtig gehört: Auf dem Programm steht nicht etwa der Konsum eines Fernseh-Krimis oder eines James-Bond-Movies. Wir wollen heute nicht konsumieren, sondern selbst aktiv werden und unseren eigenen Krimi spielen. Entsprechend erscheinen die einzelnen Rollenspieler schon in ihren entsprechenden Kostümen. Köstlich! Jeder hatte einige Tage zuvor eine (geheim zu haltende) Spielkarte erhalten. Auf derselben ist alles Wesentliche zu der entsprechenden Rolle notiert: Wer die Person ist, in welchem Verhältnis sie zu den anderen steht, was sie weiß, was sie nicht weiß, welche ‚Leichen‘ sie im Keller hat, wie sie sich zu verhalten hat und ob sie ein Mörder ist oder nicht.

 

Das Ambiente: Im vorgegebenen Rollenspiel versammelt sich eine mächtige Mafia-Familie im US-amerikanischen Chicago der 1930er Jahre. Der Grund: Der älteste Sohn der Familie wurde am Nachmittag desselben Tages erschossen aufgefunden. Es besteht der dringende Verdacht, dass dieser hinterhältige Mord einem verfeindeten Mafia-Clan (den Morelli-Brüdern) zuzuschreiben ist. Diesem Verdacht soll in der trauten und trauernden Familienrunde nachgegangen werden. Das Familienoberhaupt (der „Don“) befragt dazu reihum die Anwesenden: Die Großmutter (die „Donatella“), den jüngeren Sohn, die Tochter, den engsten Berater („Luigi“), die Witwe und Verlobte des erschossenen älteren Sohnes, die Witwe eines bereits ebenfalls ermordeten Beraters (die angetrunkene „Monica“), den Rechtsbeistand der Familie sowie den Seelsorger des gesamten Clans („Pater Antonio“).

 

Es folgen heitere vier Stunden, in denen nachgefragt, verhört, verdächtigt, geforscht, ausgehorcht, infrage gestellt, konsultiert, kombiniert, geprüft und nachgebohrt wird. Die Frage lautet: Wer ist der bzw. wer sind die Mörder? (denn es wurden noch zwei andere Männer um die Ecke gebracht: Der Mann der Monica und der Sohn der Morelli-Brüder) Während unserer lebhaften Debatten und Nachforschungen fallen mir einige Dinge ins Auge, und zwar folgende:

 

Was mir so alles während unseres etwa 4-stündigen Rollenspiels aufgefallen ist:
  • 1. Keiner der Teilnehmenden macht einen gelangweilten Eindruck.
  • 2. Alle sind engagiert bei der Sache, hören aufmerksam zu, spielen ihre Rolle sehr überzeugend und sind neugierig, immer neue Neuigkeiten zu erfahren.
  • 3. Alle stellen einander mehr oder weniger gewichtige Fragen, um die Zusammenhänge und Motive der Anwesenden besser verstehen zu können.
  • 4. Der Familienvater bzw. Mafia-Boss (auf dem Foto vorne rechts sitzend) übernimmt weitgehend die Gesprächsführung und gibt wesentliche Fragestellungen in die Familienrunde weiter.
  • 5. Die beiden Mörder in der Runde (von denen ja die anderen in der Runde noch nichts wissen) verstehen es gut, gewissen Fragen auszuweichen, sich dumm zu stellen, die Schuld anderen in die Schuhe zu schieben, Halbwahrheiten zu verbreiten oder gänzlich zu lügen (was sie im Rahmen dieses Rollenspiels ausdrücklich dürfen).
  • 6. Alle anderen rücken nach und nach mit einzelnen, wesentlichen Informationen heraus (gemäß der Spielregeln sind sie dazu verpflichtet, auf gezielte Fragen wahrheitsgemäß zu antworten).
  • 7. Selbst nach mehreren intensiven Gesprächsrunden von insgesamt 3-4 Stunden Spieldauer wollen einige der Teilnehmenden immer noch nicht die definitive Auflösung des Spiels erfahren. Es besteht nach wie vor die Hoffnung und der Wunsch, den bzw. die Mörder ganz alleine nur aufgrund der Indizien ausfindig zu machen.
  • 8. Am Ende landen wir leider doch in einigen Ermittlungssackgassen. Daraufhin darf jeder Teilnehmende sein Urteil sprechen und dasselbe begründen. Dann folgt die Auflösung des Spiels (die dann doch für die meisten relativ überraschend ausfällt).
  • 9. Die selbstgemachte Pizza schmeckt ausgezeichnet.

In mir steigt nach diesem amüsanten Spielbend die Frage auf, warum wir das eigentlich nicht öfter machen. Ich meine nicht: Öfter solch einen Krimi nachspielen. Sondern warum wir eigentlich nicht öfter genauso engagiert miteinander beraten, wenn es um ganz andere Themen geht – z.B. um die Lösung von realen, gesellschaftlichen Problemen. Warum sitzen wir nicht auch vier geschlagene Stunden engagiert beieinander, wenn es gilt, Menschen aus ihrer unverschuldeten Sklaverei zu befreien? Warum diskutieren wir nicht genauso lebhaft miteinander, wenn es darum geht, echte (!) Mörder von echten (!) Opfern ausfindig zu machen und vor Gericht zu stellen?

 

Gründe hierfür liegen natürlich auf der Hand:
  • 1. Im Rollenspiel geht es nur um Spiel, Spaß & Laune. Da können wir miteinander und über uns selbst lachen und haben letztlich nicht viel zu verlieren (höchstens das Spiel).
  • 2. Die Welt geht nicht unter, wenn wir den/die Mörder am Ende nicht alleine ermittelt bekommen.
  • 3. Die persönliche Neugierde mag in einem solchen Rollenspiel einfach größer sein. Es geht um (spielerische) Sachverhalte, die uns hier persönlich und direkt betreffen.

Allerdings denke ich: Über reale und wesentliche gesellschaftliche Sachverhalte zu diskutieren, kann auch ungemein spannend sein. Weil wir hier mitunter gemeinsame neue Entdeckungen machen können. Und weil wir dadurch vielleicht neu inspiriert und sensibilisiert werden für die ‚Problemzonen‘ unseres Miteinanders auf diesem Planeten. Das kann ungemeine Energien freisetzen und zum kooperativen Handeln ermutigen. Ich habe hier einmal einige solcher Gesellschaftsthemen zusammengetragen, die ich gerne mal mit euch unter die Lupe nehmen würde – im Rahmen eines gemeinsamen Krimi- bzw. Beratungsabends:

 

Was wir z.B. im Rahmen von Krimi- bzw. Beratungsabenden gemeinsam ermitteln könnten:
  • 1. Die Entwicklung und Auswirkung der Luftverschmutzung in Deutschland der letzten 10 Jahre.
  • 2. Die aktuelle Zusammensetzung des EU-Parlaments (nach Parteien, Geschlechtern, Alter und Staaten) und dessen Bedeutung für unser Miteinander in Europa.
  • 3. Fakten über die Flüchtlingssituation in dieser Welt (Wie viele? Wo? Wohin? Warum auf der Flucht?).
  • 4. Fakten über den aktuellen Sinn bzw. Unsinn von Atomkraftwerken in Deutschland.
  • 5. Fakten über mögliche Zwangsprostitution und Menschenhandel in Deutschland (bzw. Europa).
  • 6. Wo überall in der Welt werden Völker bzw. Volksgruppen bedroht? (vgl. z.B. www.gfbv.de)
  • 7. Welche sind die kapitalkräftigsten bzw. einflussreichsten Firmen dieser Welt? (Wieviel verdienen sie? Womit? Wieviele Steuern zahlen sie? Welchen Einfluss haben sie auf uns?) (vgl. z.B. www.unternehmen-gewinne-steuern.de)
  • 8. Wie wird unser Gesellschaftsleben im Jahre 2050 in Deutschland aussehen? (Prognosen)
  • 9. Wie schaut das Bildungssystem unserer Träume aus? Was sollte mitunter anders werden?
  • 10. Welche nächsten Schritte sollten wir in Sachen ‚Energiepolitik‘ gehen?

Da dürften wir lange und diskussionsreiche Abende miteinander verbringen. Wie bei einem Krimiabend könnte kombiniert, geforscht und nachgefragt werden. Es könnten via Internet ruckzuck Fakten und Indizien gesammelt und ausgewertet werden. Und schließlich könnten wichtige Schlüsse gezogen und die möglichen Schuldigen und Unschuldigen benannt werden. Ich finde: Solch ein ‚Krimiabend‘ auf reale Themen bezogen, wäre ein Experiment wert. Die Teilnehmenden könnten dazu sogar spielerisch in bestimmte Rollen schlüpfen, um die Diskussion noch spannender zu gestalten (z.B. Rollen wie Firmenboss, Außenminister, Zeitarbeiter, Arbeitssuchender, Flüchtling, Hebamme etc.). Also, nichts wie ran!

 

Ein gemeinsamer Krimi-Abend – Kooperativ forschen, entdecken und handeln:
  • Einen ‚Krimiabend‘ zu einem relevanten Thema anberaumen
  • Gemeinsam Fakten und Indizien sammeln
  • Miteinander kombinieren
  • Miteinander Pro und Contra abwägen
  • Gemeinsam um mögliche Lösungen ringen

© Encourager68 (April 2014)

 

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