26. März: Encourager-Stiftung – Rückblick „Projekte gegen Genitalverstümmelung (Äthiopien)“ (Mai 2013)

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Mädchen in Äthiopien – Foto: http://www.kindernothilfe.de/genitalverstuemmlung.html

P 210: Kindernothilfe e.V. – Projekte gegen Genitalverstümmelung (Äthiopien) (EUR 920)

Über die weltweit verbreitete Genitalverstümmelung bei Mädchen und Frauen wird immer wieder Schlimmes berichtet. Es gibt Schätzungen, wonach derzeit etwa 100 bis 140 Millionen Frauen davon betroffen sein sollen (allein jährlich bis zu 3 Millionen Mädchen in afrikanischen Ländern; vgl. Wikipedia). Für uns von der Encourager-Stiftung war das Anlass genug, im Mai 2013 insgesamt 920 Euro an die Kindernothilfe e.V. (Duisburg) zu überweisen – mit dem Ziel, diesem Brauch in Äthiopien entgegenzuwirken. Am 8. Juli 2013 erhielten wir von Christian Frost (Referat Kommunikation bei der Kindernothilfe) folgende informativen Zeilen:

„Sehr geehrter Herr Wehrstedt, […] Wir freuen uns sehr, dass Sie und die Encourager-Stiftung sich gegen die genitale Verstümmelung von Mädchen einsetzen möchten. […] Die Beschneidung von Mädchen und Frauen ist in Äthiopien offiziell seit langem verboten und trotzdem sind noch immer 72 Prozent der weiblichen Bevölkerung genital verstümmelt. Diese grausame Tradition führt für die Mädchen und Frauen zu unfassbaren Schmerzen und furchtbaren Langzeitfolgen.“ (Brief vom 8. Juli 2013)

Unglaublich: 72 Prozent! Wer kann sich das vorstellen – den ganzen Schmerz und das ganze Leid all dieser Millionen von Mädchen und Frauen! Die Kindernothilfe beschreibt auf ihrer Website auch die Qualen, die das äthiopische Mädchen Mesay bei dieser Prozedur zu erleiden hat:

„Nachdem die professionelle Beschneiderin Mesay beschnitten und die Wunde mit einem Akaziendorn vernäht hatte, kauerte Mesay eine Woche lang mit zusammengepressten Beinen auf einer Matte hinter der Hütte. Sie steht unter Schock, hat unfassbare Schmerzen, quälende Bauchkrämpfe, hohes Fieber, extreme Blutungen. Dies sind nur einige der unmittelbaren Folgen dieses brutalen Ritus. Wenn Mesay überlebt, hat sie zukünftig wie tausende anderer genital verstümmelter Frauen unzählige gesundheitliche Schwierigkeiten zu erwarten. Schwerste Harnwegsinfektionen, Inkontinenz, chronische Unterleibsentzündungen und Probleme bei der Menstruation. Vielleicht wird Mesay unfruchtbar. Wenn nicht, erwartet sie später eine komplizierte Schwangerschaft und eine qualvolle Geburt.“ (Quelle: http://www.kindernothilfe.de/genitalverstuemmlung.html)

Es ist kaum in Worte zu fassen, welche Not die Vertreterinnen und Vertreter dieser alten Tradition immer wieder heraufbeschwören. Und das in juristischer Hinsicht völlig zu Unrecht! Denn es gilt:

„Der Ritus der Beschneidung von Mädchen und jungen Frauen ist in Äthiopien seit vielen Jahrzehnten offiziell verboten. Doch für die Menschen in ihren Dörfern und Gemeinden zählt die jahrhunderte alte Tradition mehr als Gesetze. Für die einen markiert sie den Übergang ins Erwachsenenalter. Für die anderen gehört sie zum Heiratsbrauch, der das Mädchen auf die Ehe vorbereitet. Unbeschnittene Mädchen gelten als unrein und von einem unkontrollierbaren sexuellen Verhalten geleitet. Fast drei Viertel der Mädchen und Frauen in Äthiopien sind genital verstümmelt. Mit einer Rasierklinge, einem scharfen Stein oder dem rostigen Deckel einer Konservendose trennt die Beschneiderin die empfindsamsten Teile des Körpers ohne Betäubung ab.“ (Ebd.)

„Von einem unkontrollierbaren sexuellen Verhalten geleitet“? Häh? An dieser Stelle wird klar, wie verquer, verrückt, unvernünftig und völlig überflüssig sogenannte Bräuche und kulturelle Angewohnheiten sein können. Die Pflege einer Kultur ist eben nicht immer gemeinnützig, sondern in nicht wenigen Fällen widersinnig, verletzend, überholt und sogar zerstörend. Da hilft nur eines: Die betroffenen Menschen aufklären und diesen Brauch so schnell wie möglich abschaffen. Die Kindernothilfe – so Christian Frost – versucht dies auf folgende Art und Weise:

„Die Kindernothilfe engagiert sich mit seinem Partner HUNDEE in Äthiopien für ein Umdenken. Denn nur durch intensive und umfassende Aufklärungsarbeit kann dieser grausamen Tradition Einhalt geboten werden. Betroffene, Lehrer, Beschneider, Dorfälteste und Kinder werden in die Arbeit miteinbezogen. Betroffene Frauen tauschen sich in geschützten Gruppen aus. Männer werden über die Folgen der Genitalverstümmelung aufgeklärt. Auch die Kinder werden aktiv und werden in Gruppen kindgerecht aufgeklärt.“ (Brief vom 8. Juli 2013)

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Das Wertvollste ist: Die äthiopischen Frauen können zum ersten Mal in ihrem Leben über ihre erlebten Traumata sprechen. Das ist in der Regel der Beginn einer inneren Befreiung und Heilung:

„Frauen tauschen sich in Gruppen über Ihre Erfahrungen aus. Diese Gemeinschaft macht sie stark. In der Gruppe lernen sie zum ersten Mal in ihrem Leben, öffentlich zu reden. Das befähigt sie, viel aktiver die Veränderungsprozessen mit zu gestalten und ihre Töchter vor gleichem Schicksal zu bewahren.“ (Quelle: http://www.kindernothilfe.de/genitalverstuemmlung.html)

Nun kommt aber erst das Verrückteste an der ganzen Geschichte. Es ist die Rolle der äthiopischen Männer! Denn: Die äthiopischen Männer wissen in der Regel überhaupt nichts von dieser ganzen schrecklichen Prozedur. Wahnsinn! Und das tritt oft erst mit der Aufklärungsarbeit der Männer zutage:

„Die Männer wissen oftmals nicht, was weibliche Genitalbeschneidung tatsächlich bedeutet. Die Schmerzen, die unglaubliche Angst ihrer Frauen und Töchter kennen sie nicht. Daher ist es wichtig, auch die Männer aufzuklären. Viele sind so geschockt, dass sie beschließen, ihre Tochter nicht beschneiden zu lassen. Aber auch die Kinder werden aktiv in Gruppen auf kindgerechte Art aufgeklärt. Denn sie sind es, die als Erwachsene darüber entscheiden können, ihre Töchter unversehrt zu lassen.“ (Ebd.)

Wer von uns hätte das wohl gedacht?! Die Männer treten hier nicht als die Übeltäter auf, sondern als die Geschockten – weil sie von all dem Schmerz gar nichts wirklich wussten. Und großartig, dass es dann gerade sie sind – die eigenen Väter! -, die ihre Töchter vor diesem Ritus bewahren möchten. Wow!

Diese Projektarbeit berührte uns sehr. Unsere Freude war groß, als wir der Kindernothilfe im Mai 2013 für diese Arbeit 920 Euro zur Verfügung stellen konnten. Der Dank von Christian Frost folgte auf dem Fuß:

„Zu diesen Fortschritten und Erfolgen hat Ihr Engagement maßgeblich beigetragen. Für Ihre wertvolle Unterstützung danken wir Ihnen nochmals sehr herzlich und würden uns sehr freuen, wenn wir Sie auch zukünftig zu den Freunden und Förderern unserer Arbeit für Kinder in Not zählen dürfen. Herzliche Grüße, Christian Frost (Referat Kommunikation)“ (Brief vom 20. August 2013)

Zum Schluss noch ein paar Daten zum Projekt „Kampf gegen Genitalverstümmelung in Äthiopien (FGM = Female Genital Mutilation)“:
  • Schwerpunkte: Kampf gegen Genitalverstümmelung, Frühverheiratung und weitere schädliche Praktiken
  • Projektgebiet: Oromia, Süd-Äthiopien
  • Laufzeit: 2010-2015
  • Zielgruppe: mehr als 20.000 Mädchen, Jungen, Frauen und Männer
  • Partner: HUNDEE
  • 59 Kindergruppen an 59 Schulen gegründet (mit 3.015 Mädchen und 2.612 Jungen)
  • 2-tägige Workshops für Frauen und Männer (getrennt) (1.362 Frauen!)
  • 256 Selbsthilfegruppe für Frauen gegründet (mit 4.253 teilnehmenden Frauen)
  • Verwaltungskosten der Kindernothilfe: 14,4 %
  • Spende der Encourager-Stiftung: 920 Euro (Mai 2013)

Weitere Infos unter:

Wer bei diesem Projekt gerne mithelfen und mitspenden möchte:
  • Unsere Bankverbindung (SEPA): Deutschland + International
  • Encourager-Stiftung
  • SKB Bad Homburg (Deutschland)
  • BIC: GENODE51BH2
  • IBAN: DE44 5009 2100 0001 3111 31
  • Verwendungszweck: „Gegen Genitalverstümmelung“
  • Wichtig: Ihre/eure Spende wird zu 100 % ohne Abzüge an die Kindernothilfe weitergeleitet!

 

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