15. März: Wie kann ich aus meinem Leben eine noch bessere Geschichte machen? – Acht mögliche Schritte

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(Foto: http://www.amazon.de/Eine-Million-Meilen-tausend-Jahren/dp/3940158038)

„Eine Figur, die etwas will und Konflikte überwindet, um es zu bekommen; das ist die Grundstruktur einer guten Geschichte.“ (Donald Miller, Eine Million Meilen in tausend Jahren, S. 54)

Wie mache ich aus meinem Leben eigentlich eine gute Geschichte? Bin ich zufrieden mit dem Leben, das ich derzeit führe? Erfüllt mich das, was ich aktuell so tue? Verschafft mir mein Leben und Handeln Sinn? Oder bin ich mit mir und meinem Erleben eher unzufrieden? Ist mir alles zu langweilig? Zu monoton? Zu leer oder zu platt? Zu einsam oder zu trist? Mag ich wirklich die Menschen, mit denen ich mein Leben gerade teile? Oder will ich eigentlich etwas ganz anderes? Etwas Neues? Etwas Abenteuerlicheres? Etwas, wofür es sich wirklich lohnt zu leben (und vielleicht sogar zu sterben)? Möchte ich noch einmal eine richtig frische, freie und lebendige Lebensbrise einatmen? Etwas völlig Verrücktes und wahnsinnig Aufregendes wagen?

Zu meinem letzten Geburtstag bekam ich von guten Freunden ein kleines Geschenkpaket geschickt. Darin befand sich auch etwas neues zum Schmökern – nämlich der Bestseller „Eine Million Meilen in tausend Jahren. Was ich beim Umschreiben meines Lebens gelernt habe“ von Donald Miller (Ingolstadt 2010 – Amerikanische Originalausgabe: A Million Miles in a Thousand Years – What I Learned While Editing My Life [Nashville 2009]; vgl. http://www.amazon.de/Eine-Million-Meilen-tausend-Jahren/dp/3940158038). In diesem 296 Seiten starken Taschenbuch schreibt Miller (Jahrgang 1971) über seine Versuche, seinem langweilig und mehr oder weniger sinnlos gewordenem Leben zu entkommen:

Nachdem er einen erfolgreichen Memoirenband geschrieben hatte [Anm. „Blue Like Jazz. Nonreligious Thoughts on Christian Spirituality“ (2003) ], lief Donald Millers Leben auf Sand. Ausgerechnet als er auf der Höhe seines Erfolgs hätte sein sollen, kam er nicht mehr aus dem Bett, ging Verantwortungen aus dem Weg und stellte gar den Sinn des Lebens infrage. Doch als zwei Filmproduzenten ihm vorschlugen, aus seinen Erinnerungen einen Film zu machen, fand er sich plötzlich in einer völlig neuen Geschichte voller Risiken, Chancen, Schönheit und Bedeutung wieder.“ (AaO., Umschlagrückseite des Buches)

Doch das geht auch bei ihm nicht von heute auf morgen. Er muss sich meist mühsam Schritt für Schritt bemühen, etwas Neues zu wagen. Meist braucht er dazu auch einen guten und zündenden Impuls eines Freundes. Aber mehr und mehr spürt er: Da entwickelt sich eine neue Story in seinem Leben:

‚Eine Million Meilen in tausend Jahren‘ schildert Millers große Chance, sein Leben zu einer tollen Geschichte umzuschreiben, sich selbst neu zu erfinden, sodass niemand beim Abspann nur die Achseln zuckt. Mit herzzerreißender Ehrlichkeit und köstlich selbstironischer Innenschau lässt Donald Miller seine Leser an einem Leben teilhaben, das sich von langweiliger Alltagswirklichkeit zu einer bedeutungsvollen Erzählung wandelt.“ (Ebd.)

Miller stürzt sich einfach ins kalte Wasser. Er setzt noch einmal etwas aufs Spiel. Weil er noch einmal etwas erleben möchte. Er will nicht mehr bloß versumpfen in seinen eigenen Gedankenträumereien und mit seiner Tüte Chips vor dem Fernseher versauern. Also begibt er sich auf die Suche nach seinem Vater. Den hat er seit seiner frühen Kindheit nicht mehr gesehen. Lange ringt er mit sich selbst. Schließlich rafft er sich auf – und findet ihn. Die lange Aussprache lässt seine Biographie noch einmal in einem neuen Licht erscheinen. Vor allem aber bewegt sich sein Leben wieder. Es passieren reale Dinge, die ihn zum Staunen bringen:

Miller verwandelt sich von einer Schlafmütze in einen Mann, der mit dem Fahrrad quer durch Amerika fährt, von einem romantischen Tagträumer in einen, der seine Furcht überwindet und sich der wahren Liebe stellt, von einem Geldverschwender in den Gründer einer gemeinnützigen Organisation mit einem leidenschaftlichen Anliegen.“ (Ebd.)

Das alles passiert – wie gesagt – nicht auf einen Schlag. Miller selbst wächst an seinen neuen Wagnissen. Er blüht neu auf mit all seinen neuen und mutigen Unternehmungen und Begegnungen:

Geleitet von einer Schar kurioser, aber ganz und gar wirklicher Gestalten zeigt uns Miller, wie man schon beim ersten Mal eine zweite Chance im Leben bekommen kann. ‚Eine Million Meilen in tausend Jahren‘ ist ein Lobgesang auf die Schönheit des Lebens, wie man ihn selten zu lesen bekommt.“ (Ebd.)

Nun ja, das mag ein bisschen dick aufgetragen sein. Aber Verlage wollen ja auch Geld verdienen, und da kann ein bisschen Werbung nicht schaden. Aber um die „Schönheit des Lebens“ geht es Donald Miller schon. Jedenfalls in dem Sinne, dass er selbst ganz neu das Gefühl empfindet, zu wissen, wofür er lebt. Wenn ich weiß, wofür ich lebe, fällt mir das Aufstehen am frühen Morgen viel leichter. Es gibt dann diesen roten Faden in meiner Biographie – das, was mein Tun, Reden und Denken zusammenhält. Es gibt ein Ziel, das ich jeden Morgen neu anvisieren kann. Und es gibt den Mut, Schritte zu wagen, die ich sonst wohl nie gegangen wäre. So kann mitunter eine richtig spannende Lebensgeschichte entstehen, über die sich vielleicht auch andere gerne länger unterhalten.

Was gehört eigentlich zu einer richtig ‚guten‘ Geschichte – besonders wenn man an Geschichten in erfolgreichen Kinofilmen denkt? Jordan, im Buch der Mitbewohner von Donald Miller, formuliert es ganz einfach so:

Eine Figur, die etwas will und Konflikte überwindet, um es zu bekommen; das ist die Grundstruktur einer guten Geschichte.“ (AaO., S. 54)

Es sind demnach nur zwei Dinge nötig:
  • 1. Eine Figur, die etwas will – das heißt: die ein besonderes, konkretes Ziel anvisiert.
  • 2. Eine Figur, die Konflikte überwindet – das heißt: die bewusst kämpft, um dieses Ziel zu erreichen.

Was könnte das für mich bedeuten? Und wie könnten Schritte für jeden von uns aussehen, wie wir aus unserem Leben vielleicht noch eine richtig gute oder sogar eine noch bessere Geschichte machen könnten? Folgende Ideen sind mir dazu gekommen:

Acht Schritte, wie ich aus meinem Leben vielleicht noch eine richtig gute bzw. eine noch bessere Geschichte machen könnte:
1. Nachdenken über Dinge, die mich faszinieren
  • Ich nehme mir ein paar Minuten Zeit, setze mich auf meinen Stuhl, lehne mich zurück, schaue aus dem Fenster und denke tief darüber nach, was mich fasziniert und was ich immer schon einmal machen wollte: z.B. eine Weltreise unternehmen, eine große Wochenendfamilienfeier veranstalten, einen Slum dieser Welt besuchen, ein Buch schreiben, eine Fotoausstellung planen, einen aktiven Vulkan besichtigen, bei einem Speed-Dating mitmachen, ein Formel-1-Rennen besuchen, zusammen mit Freunden einen gemeinnützigen Verein gründen etc.
2. Nachdenken über Dinge, die ich schon lange vor mir herschiebe
  • Ich nehme mir ein paar Minuten Zeit, setze mich auf meinen Stuhl, lehne mich zurück, schaue aus dem Fenster und denke tief darüber nach, was mir Angst macht, was ich bisher vor mir hergeschoben habe, was ich aber eigentlich schon lange mal hätte in Angriff nehmen sollen: z.B. ein Aussöhnungsgespräch mit einem Familienangehörigen, mit dem Rauchen aufhören, sich auf die Suche nach einem neuen Job begeben (weil der bisherige eher krank macht), endlich alte Schulden begleichen, die veralteten Kellerräume sanieren, vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, einen Spenden-Dauerauftrag für ein Patenkind in Peru einrichten, eine Zehnerkarte fürs Schwimmbad besorgen und 5 kg abspecken etc.
3. Zwei Listen machen
  • Ich nehme einen Bleistift und einen Zettel zur Hand und notiere mir entsprechend zwei Listen zu den Punkten 1 und 2 (geht auch auf dem PC).
4. Einen Menschen meines Vertrauens aufsuchen
  • Ich suche einen Menschen meines Vertrauens auf (Freundin/Freund, Partnerin/Partner, Seelsorger, Lebensberater, Oma oder Opa) und unterbreite ihm oder ihr meine beiden Listen.
5. Zwei Ziele auswählen lassen
  • Ich bitte diesen Menschen meines Vertrauens, aus beiden Listen jeweils ein Ziel auszuwählen, das ich zeitnah in Angriff nehmen soll.
6. Termin zum Erreichen der zwei Ziele festlegen
  • Ich lege zusammen mit diesem Menschen meines Vertrauens einen Termin fest, bis zu dem ich beide Ziele erreicht haben möchte und an dem ich diesem Menschen von den Ergebnissen berichten werde.
7. Die zwei Ziele in Angriff nehmen
  • Ich nehme diese beiden Ziele zeitnah in Angriff. Endlich, wow!
8. Die gemachten Erfahrungen auswerten
  • Ich treffe mich mit dem Menschen meines Vertrauens zum abgesprochenen Termin und erzähle ihm von meinen Erfahrungen. Falls dieses Vorgehen ermutigt hat, können zwei weitere neue Ziel miteinander festgelegt werden.

Na, Morgenluft gewittert? Ein Versuch könnte sich lohnen. Vielleicht werden auf diese Weise noch Geschichten geschrieben, an die sich Menschen noch bis an ihr Lebensende gerne erinnern. Bei Interesse, viel Spaß beim Ausprobieren!

PS. Noch kurz zur Person von Donald Miller:

Donald Miller ist der Autor von ‚Blue Like Jazz‘ und anderen Büchern. Er ist Gründer der Organisation ‚The Mentoring Project‘ und arbeitet in der Arbeitsgruppe „Vaterschaft und gesunde Familien‘ des amerikanischen Präsidenten Barack Obama mit. Er lebt und arbeitet in Portland, Oregon/USA.“ (AaO., Umschlagrückseite)

Literatur:
  • Donald Miller: Eine Million Meilen in tausend Jahren. Was ich beim Umschreiben meines Lebens gelernt habe. Übersetzung aus dem Amerikanischen von Christian Rendel (Ingolstadt 2010, 296 S.). (Amerikanische Originalausgabe: A Million Miles in a Thousand Years – What I Learned While Editing My Life [Nashville 2009])
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