13. März: Faire Glaubenszweifel sind freundlich, wahrhaftig und gut – Noch einige Anmerkungen

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Faire Glaubenszweifel – darf ich die haben? Zu meinem Beitrag von vor zwei Tagen möchte ich an dieser Stelle noch einige Anmerkungen machen, die für den einen oder die andere vielleicht hilfreich sein könnten.

Was mir noch wichtig ist zum Thema „faire Glaubenszweifel“:

1. Danke!
  • Bedanken möchte ich mich erst einmal für alle freundlichen und mutmachenden Rückmeldungen. Es tut gut zu hören, dass mein Wunsch nach mehr Redlichkeit bei einigen meiner Freunde und Bekannten positiv angekommen ist. Manch anderer würde vielleicht jetzt eher die Bibelkeule schwingen und meinen, dass ich mich mit meinen (selbst)kritischen Äußerungen total auf dem Holzweg befinde. Dabei will ich ja nichts Böses, sondern nur mehr Wahrhaftigkeit.
2. Ein erwachsener Glaube möchte die Ungewissheit unbedingt aushalten.
  • Ich verstehe sehr gut, dass es schrecklich sein kann für einen Menschen, der tief und gewissenhaft glaubt, wenn ich sage, dass manches (oder sogar vieles) von dem, was geglaubt wird, mitunter am Ende unserer Tage gar nicht wahr sein könnte – oder zumindest nicht so stimmen könnte, wie angenommen. Aber ein mutiger und erwachsener Glaube kann und möchte diese Ungewissheit unbedingt aushalten. Eben weil wir uns als Menschen in allen Dingen so sehr täuschen können.
3. Aufrichtige Ungewissheit zerstört meinen Glauben nicht.
  • Sehr wichtig ist mir: Diese aufrichtige Ungewissheit zerstört meinen persönlichen Glauben nicht. Im Gegenteil! Sie macht ihn reiner, wahrhaftiger, freundlicher und glücklicher. Ich mache mir bewusst, dass ich nicht allwissend bin, dass ich gerade nicht (!) Gott bin und deshalb auch nicht alles wissen kann und auch nicht alles wissen muss. Ich fühle mich viel freier und gelassener. Ich muss nicht mehr um die ‚Richtigkeit‘ und Anerkennung von Dogmen kämpfen. Ich kann auf diese Weise viel gelassener mit anderen Gläubigen und Ungläubigen in Dialog treten.
4. Wenn es ‚Gott‘ geben sollte und wenn ‚er‘ tatsächlich Liebe ist, wird er den redlichen Unglauben von Menschen dermaleinst nicht bestrafen, sondern belohnen!
  • Die schönste Erkenntnis ist doch: Wenn es ‚Gott‘ wirklich geben sollte und wenn ‚er‘ Liebe ist (was die meisten Christen ja glauben; vgl. 1Joh 4,16), wie könnte ‚er‘ Atheisten oder Agnostikern jemals böse sein? Wenn sie nur deshalb nicht glauben können oder glauben möchten, weil sie einen Gott sinnlich nirgendwo direkt und eindeutig wahrnehmen können (also durch Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Ertasten)? Ihr Unglauben ist vollkommen verständlich, und ihr Verhalten und ihre Zweifel total wahrhaftig und ehrlich. Wenn Gott also tatsächlich Liebe sein sollte, wird er sie für ihren Unglauben dermaleinst nicht bestrafen, sondern belohnen (!) – weil sie in ihrem Unglauben total redlich gehandelt haben. Ist das nicht witzig! Und ist das nicht toll! Was für prima Aussichten! Wieviel Wertschätzung Glaubende eigentlich haben sollten für Menschen ohne Glauben! Wir dürfen ihnen keinen Vorwürfe machen, sondern müssen sie loben und dürfen tausendfach Verständnis für ihr Nichtglauben haben. Auf diese Weise können wir ihnen auch viel gnadenvoller und offener begegnen. Und dann werden auch sie uns viel entspannter und interessierter zuhören, ganz gewiss. Sie wären ganz sicher so viel offener für die Erfahrungen der Glaubenden – eben in echter Freiheit, Entspannung und gegenseitiger Wertschätzung.
5. Ein demütig geführter und entspannter Dialog kann uns alle bereichern und weiser machen.
  • Das Gegenteil ist genau das, was sich ab und zu in gläubigen Kreisen erleben lässt. Da wird genau auf den Punkt gebracht, was geistlich und moralisch richtig und was falsch ist im Glauben. Aber was für eine Arroganz steckt eigentlich dahinter! Wie können wir uns denn anmaßen, Dinge der unsichtbaren Welt genau wissen zu wollen? Ich sehne mich hier nach demütiger und freundlicher Entspannung. Viel liebevoller ist es, wenn jeder wirklich frei und offen sagen kann, was er denkt und glaubt. Auf diese Weise lernen wir gemeinsam und miteinander und werden so immer aufs Neue ganz stark bereichert. Verschiedene Ansichten dürfen nebeneinander stehenbleiben, und „unser Glaube bleibt ständig in Bewegung“ (wie es eine Bekannte von mir schön formuliert hat). Wir dürfen einander aushalten – in Freundlichkeit und Barmherzigkeit füreinander.
6. Mich fasziniert die gute Hoffnung und der Glaube an die Existenz eines „Geistes des Trostes“.
  • Jesus schüttete damals sein Herz seinem „lieben Vater in den Himmeln“ gegenüber aus. Eine sehr schöne Glaubensvorstellung, wie ich finde. Ich habe die gute Hoffnung und den Glauben, dass es einen Tröstergeist gibt – den „Parakleten“, wie Jesus ihn damals ankündigte (vgl. Joh 16,5-15), den Ermahner, Ermutiger und Tröster in allen Lebenslagen. Ich habe für meinen Glauben keinen zwingenden Beweis. Aber die freundliche Hoffnung darf ich haben – und diese macht mir selbst auch viel Mut. Aber ich möchte daraus kein Glaubensdogma für alle machen. Die offene und wohltuende Hoffnung ist für mich selbst schon wertvoll und bereichernd genug.
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10 Antworten zu 13. März: Faire Glaubenszweifel sind freundlich, wahrhaftig und gut – Noch einige Anmerkungen

  1. Muriel schreibt:

    So aus Neugier: Glaubst du, dass dein Gott überhaupt jemanden bestraft?

    • mwehrstedt schreibt:

      Das ist eine spannende Frage, ob es so etwas wie eine ‚höhere Gerechtigkeit‘ gibt, nach der am Ende aller Tage Menschen gemäß ihrer Taten und Motive belohnt bzw. bestraft werden. In den freikirchlichen Kreisen, in denen ich groß geworden bin und in denen ich lange Zeit zuhause war, glaubt die große Mehrheit an ein sog. „jüngstes Gericht“, in dem Gott schließlich die Gerechten von den Ungerechten trennen wird. Dabei beruft man sich häufig auf Aussagen von Jesus (vgl. z.B. Matthäus 25,31-46 „Vom Weltgericht“) oder auf die Offenbarung des Johannes (vgl. Offb 20-22).

      Was meine aktuelle persönliche Ansicht dazu betrifft: Manchmal empfinde ich schon den Wunsch und die Hoffnung, dass die furchtbaren Übeltäter dieser Welt irgendwann einmal noch eine richtige ‚Abfuhr‘ erhalten und das ausbaden müssen, was sie anderen an Leid zugefügt haben.

      Allerdings ist eine andere Option auch sehr interessant: Dass nämlich am Ende aller Tage allen Menschen die Augen aufgehen – über das, was sie gut oder weniger gut gemacht haben -, und dass dann sozusagen eine aufrichtige, universale Aussöhnung stattfindet (eine sog. Allversöhnung). Da würde dann am Ende keiner bestraft werden – höchstens mit der Erschrockenheit über sich selbst und die eigenen Vergehen, Unwahrhaftigkeiten, Bequemlichkeiten oder sogar Verbrechen.

      Aber: Vielleicht ist mit unserem leiblichen Tod auch einfach alles aus (vgl. dazu meine Blog-Beiträge vom 18. und 19. Februar 2014: „In Lebensgefahr – Meditationen im Angesicht des Todes“), und es kommt gar nichts mehr – weder ein ‚jüngstes Gericht‘ noch eine Strafe noch eine Belohnung. Deswegen finde ich es auch so wichtig, mich hier und heute für das Wohl von Menschen einzusetzen (besonders dann, wenn es sehr aufrichtige sind). Denn (fast) jeder weiß, wie gut es tut, wenn Menschen mit uns freundlich und fair umgehen.

      • Muriel schreibt:

        Danke für die ausführliche und (zumindest in meiner Wahrnehmung) sehr aufrichtig durchdachte Antwort.
        Ich selbst halte nicht viel von Strafe und würde deshalb ein strafbasiertes System weder höhere Gerechtigkeit nennen, noch für wünschenswert halten, aber deine Ausführungen kommen mir schon recht schlüssig vor, und wie erwähnt in ihrer Transparenz und Aufrichtigkeit auch äußerst sympathisch.
        Noch mal vielen Dank!

      • mwehrstedt schreibt:

        Vielen Dank, Muriel, für Deine freundliche Rückmeldung. Ein „strafbasiertes System“ ist auch nicht das, was ich mir für das Ende aller Tage wirklich wünsche. Dahinter steckt bei mir mehr das Mitgefühl mit den vielen Menschen, die unschuldig sehr viel gelitten haben und in diesem (sichtbaren) Leben keine Gerechtigkeit und/oder Wiedergutmachung erfahren konnten.

      • Muriel schreibt:

        Denkst du denn, dass sie das erfahren, indem jemand den Tätern Leid zufügt? Mir hat sich dieses Konzept nie ganz erschlossen, aber vielleicht bin ich da auch komisch.

      • mwehrstedt schreibt:

        Ich denke schon. Denn so bleibt das Unrecht, das verübt wurde, nicht das letzte Wort, das gesprochen wurde. In Nordkorea z.B. werden Christen in Zwangsarbeitslagern derart geschunden, gequält, verfolgt und gemartet, dass es in Worten kaum zu beschreiben ist. Diesen Glaubenden wird es sicher wohl in der Seele tun, wenn sie von der Hoffnung leben, dass dermaleinst darüber ‚klärende‘ Worte gesprochen werden. Interessanterweise habe ich bei diesen verfolgten Christen wenig von Rachegedanken gelesen. Die meisten wünschen sich keine Wiedergutmachung durch Bestrafung ihrer Folterer, sondern vielmehr deren Bekehrung und innere Heilung. Eine ‚himmlische‘ Bestrafung wäre am Ende dann nur ‚the worst case‘ für die Folterer.

      • Muriel schreibt:

        Danke! Ich bin jetzt allerdings nicht sicher, was nun am Ende deine Meinung ist.
        Wird irgendwas besser, wenn die Täter leiden? Doch eigentlich nicht. Innere Heilung und Zeug leuchtet mir ein. Strafe eher nicht so, wenn man Alternativen hat, was wir bei einem allmächtigen Gott sicher unterstellen können.
        Oder?

      • mwehrstedt schreibt:

        Allerdings dürfen wir einem allmächtigen Gott unterstellen, gewisse Alternativen in seiner göttlichen Tasche bereitzuhalten.
        Das Leiden der ‚Täter‘ könnte vielleicht schon ein gewisses Wohlbefinden bei den entsprechenden ‚Opfern‘ auslösen. Aber wenn es überhaupt so etwas wie eine große Abrechnung geben sollte, dann wäre mir persönlich eine versöhnliche, universale Aussprache & Klärung wohl das allerliebste. Die könnte sich allerdings auch ewig in die Länge ziehen 🙂

  2. brigwords schreibt:

    mir gefällt auch das Smiley welches an deiner Tischlampe befestigt ist……und Gott lächelt

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