8. März: Massentierhaltung (Teil 3) – Acht Wege, wie ich behutsamer und bewahrender mit meinen Mitgeschöpfen umgehen kann

Bild

Glückliche und freie Zebras in der Ganab-Ebene / Namibia – Foto: Konny von Schmettau (2014)

(Fortsetzung vom 6. März 2014)

Warum setzen wir uns als Christen nicht mit einer solchen Haltung für Gottes Schöpfung ein?“ (ebd.)

Eine sehr gute Frage. Im christlichen Glauben geht es doch ständig um Liebe, Gnade, Mitgefühl, Barmherzigkeit, Sanftmut, Freundlichkeit, Güte, Frieden und Versöhnung. Warum dann so wenig Barmherzigkeit, Gnade und Mitgefühl mit all den Nutztieren, die doch wohl auch zur sogenannten ‚Schöpfung Gottes‘ gehören? Sollen Christen einerseits Menschen lieben, andererseits aber Tiere foltern dürfen? Christian Brenner jedenfalls hat umgedacht:

Ich treffe eine Entscheidung: Nun esse ich – in der Regel – kein Fleisch mehr, von dem ich nicht weiß, woher es kommt. Ich versuche, mein Einkaufsverhalten kritischer zu beobachten, verfolge aufmerksamer als vorher, wie und unter welchen Voraussetzungen Dinge hergestellt und vertrieben werden. Ich staune über Initiativen von ‚Start-up-Unternehmen‘, die unter ökologisch und sozial verantwortlichen Voraussetzungen Elektroartikel herstellen oder Kleidung produzieren.“ (aaO., S. 7)

Fantastisch! Hier hat jemand wohltuende Konsequenzen gezogen. Christian Brenner ist nicht gleich zum Vegetarier geworden. Aber er hat ein neues Mitgefühl entwickelt: Zu Mensch und (!) Tier. Er beginnt mit kleinen Schritten, sein eigenes Leben umzustellen. Die Sonne geht auf – es wird freundlicher auf Erden! Seine Frau, so schreibt er, habe ihn schon länger auf Bioprodukte aufmerksam gemacht. Aber bis vor kurzem noch schlug er ihre stichhaltigen Argumente in den Wind. Aber nun sei das anders geworden:

Sie hat sich manches kritische Wort anhören müssen, für das ich mich in Nachhinein entschuldigen musste. Es mag sein, das Anti-Bio-Argumente zum Teil zutreffen [z.B. dass sie nicht für jeden erschwinglich sind]. Dennoch gilt: Nachhaltig produziert wurden sie.“ (ebd.)

Und nachhaltig bedeutet: Lebens- und zukunftsfreundlich! Wirklich großartig: Hier bittet einer sogar bei seiner Ehefrau um Entschuldigung! Sie meinte es wohl immer nur gut und wünschte sich mehr Wohl für die leidenden Tiere. Er aber sah ihr gutes Herz und ihr Anliegen nicht. Nun aber hat es ihn gepackt! Nun hat er verstanden. Er spürt, dass seine bisherigen kritischen Argumente fehl am Platze waren. Nun kann er seine Frau aufrichtig um Vergebung bitten. Das hinterlässt bei mir einen großen Eindruck. Das nenne ich gelebte, partnerschaftliche Fairness. Und die ist meines Erachtens unter uns mehr als Gold wert. Sie ist Balsam im Miteinander unserer Beziehungen. Sie hilft uns, aufzuatmen und wieder zueinander zu finden.

Sicher bekam Christian Brenner für diese Geste eine dicke Umarmung von seiner Ehefrau. Er, seine Frau und ihre gemeinsamen vier Kinder üben heute schon ein gute Portion Verzicht und leben ein neues „Einkaufsverhalten“ (ebd.). Das finde ich beispielhaft. Eine neue Bewegung der Barmherzigkeit ist da möglicherweise im Kommen, so Christian Brenner:

Heute findet ein gesamtgesellschaftliches Umdenken statt. Das Bewusstsein dafür wächst, wie wir durch verändertes Verhalten ungerechte Systeme durchbrechen und den Graben zwischen reichen und armen Teilen der Welt überwinden können. Viele wollen sich den Konsumsystemen, die maximalen Genuss zu minimalstem Preis für maximalen Profit möglich machen und dabei die Ausbeutung der Ressourcen in Kauf nehmen, nicht länger tatenlos ausgesetzt sehen.“ (ebd.)

Auch hier spricht mir Christian Brenner ganz aus dem Herzen. Auch ich werde das Gefühl nicht los, dass hier etwas in Gang gekommen ist. Immer mehr Menschen, mit denen ich zu tun habe, drücken mir gegenüber ihre Sehnsucht aus. Sie wünschen sich mehr Freiheit. Sie wollen gerne aus dem System vom ‚Immer mehr – immer weiter – immer höher – immer reicher‘ ausbrechen. Sie möchten gerne ihre wirklichen Gaben entfalten. Sie wünschen sich, Menschen und Tieren mehr Gutes tun zu können. Sie möchten gerne mehr teilen und eine ‚Globalisierung der Barmherzigkeit‘ unterstützen. Sie haben diesen „maximalen Genuss“ satt – der nicht hält, was er verspricht. Sie sind diese „minimalen Preise“ leid, die nur durch die Ausbeutung freundlicher Menschen und wundervoller Tiere möglich sind. Sie verachten diesen „maximalen Profit“ und die gierigen, kalten, arroganten und leeren Gesichter derer, die nur hinter mehr Geld und Kapital her sind. Deren Lächeln ist meist so kalt, hohl und aufgesetzt, dass es mir dabei kalt den Rücken runterläuft. Ein solches Lächeln macht krank.

Eine Aussage von Christian Brenner springt mir noch ins Auge. Er meint:

Diese Entwicklung ist meines Wissens nicht durch Christen losgetreten worden. Oder wo es passiert ist, wird vielleicht zu wenig darüber geredet oder berichtet.“ (ebd.)

Mutig, mutig. Aber wohl auch wahr! Denn gerade die vielen Grünen/Bündnis90-PolitikerInnen, die Greenpeace-Aktivistinnen und Aktivisten und Amnesty-International-MitarbeiterInnen bekennen sich häufig zu keinem religiösen Glauben. Sie gehören nicht selten dem atheistischen Flügel der Gesellschaft an (so meine bisherigen Erfahrungen). Amnesty International z.B. nimmt keine Spenden von religiösen Gemeinschaften oder Kirchen an. Spenden diese doch, wird die Spende umgehend zurücküberwiesen. Gerade aber diese eher atheistisch bzw. agnostisch geprägten Umwelt- und MenschenrechtsvertreterInnen setzten sich in der Vergangenheit besonders für mehr Fairness, Gerechtigkeit und einen behutsameren Umgang mit unserer Mitwelt ein. Sie taten genau das, was eigentlich die Jünger Jesu längst hätten tun und vorleben müssen. Es gab natürlich auch immer großartige christliche Vorbilder und Eisbrecher wie z.B. William Wilberforce (1759-1833), der sich in England vor etwa 200 Jahre so sehr für die Abschaffung des Sklavenhandels einsetzte (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/William_Wilberforce). Aber ich gebe Christian Brenner recht, wenn er annimmt, dass bekennende Christen hier oftmals große Schlafmützen gewesen sind. Jedenfalls ist es an der Zeit, heute mehr über fröhliche Vorbilder zu reden und zu berichten. Christian Brenner:

Darum: Anfänge sind gemacht. Beteiligung ist erlaubt. Dazu braucht es Mühe und die Bereitschaft sich einzusetzen, gelegentlich Verzicht. Es braucht ‚Bewahrungsbereitschaft‘ im Sinne des Auftrags aus 1Mose 2,15 [„Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.“].“ (ebd.)

In diesem Sinne möchte ich gerne bewahren, was mir und uns allen anvertraut ist. Meine „Bewahrungsbereitschaft“ schaut derzeit folgendermaßen aus:

Acht mögliche Wege, wie ich behutsam und bewahrend mit meinen Mitgeschöpfen umgehen kann:
  • 1. Ich gebe den vielen süßen Ferkeln, Küken und Kälbern in den Massentierhaltungen Namen: Fridolin, Pikki, James, Franz, Gundi, Jackson, Corni, Schilpi und Margarete. Und schon weint mein Herz, wenn ich daran denke, wie grausam und kalt auch mit ihnen, meinen persönlichen Freunden, umgegangen wird.
  • 2. Ich fange in kleinen Schritten an, auf Wurst und Fleisch aus Massentierhaltung zu verzichten, um dieselbe nicht weiter zu fördern, sondern zum Rückzug zu zwingen.
  • 3. Ich verzichte mehr und mehr auf den Verzehr von Hühnereiern, auch aus sog. Bodenhaltung – weil hier in den großen Hühnerfarmen immer noch gewaltig betrogen, die armen Hennen dauerhaft gequält und die männlichen Küken gnadenlos geschreddert werden.
  • 4. Stattdessen beginne ich, auf fleischlose Eiweißlieferanten umzusteigen (z.B. Tofu aus Sojabohnenteig)
  • 5. Ich verzichte auf den Verzehr von Fischarten, die mittlerweile vom Aussterben bedroht sind (z.B. Kabeljau, der Großaugen-Thun sowie alle drei Blauflossenthunfischarten).
  • 6. Ich informiere mich im Internet über tolle, geschmackvolle, gesunde, kreative und exotische fleischlose Gerichte (z.B. hier: http://www.vegetarische-rezepte.com/ oder hier: http://www.chefkoch.de/rs/s0g39/Vegetarische-Rezepte.html). Mmmmmh, da fließt mir doch gleich das Wasser im Munde zusammen.
  • 7. Ich informiere mich im Internet über derzeitige Trends, Gesetze, Urteile und Entwicklungen in Bezug auf die schreckliche Agrar- und Fleischindustrie (z.B. bei http://albert-schweitzer-stiftung.de/).
  • 8. Ich besuche einen Bio-Bauernhof, um mich mal von einem Profi beraten zu lassen und das Leben von glücklicheren Tieren live zu erleben.

PS. Sicher gibt es noch mehrere hundert andere gute Wege, behutsamer mit unseren Mitgeschöpfen umzugehen und auch selbst gesünder zu leben. Ein tollen Kommentar und ein eindrückliches Zitat erhielt von der netten Mitbloggerin Kathi84 (http://hierreistkathi.wordpress.com/), nämlich:

„Es wird die Zeit kommen, da das Verbrechen am Tier genauso geahndet wird, wie das Verbrechen am Menschen.“ (Leonardo da Vinci [1452-1519])

Da hat wohl ein großer Tierfreund mit einem großen Herzen gesprochen …

Literatur:
  • Christian Brenner: Der Auftrag: Bebauen und Bewahren. Unsere Weltverantwortung und das 1. Buch Mose. Ein biografischer Zugang, in: EiNS. Gemeinsam Glauben – Miteinander Handeln“ (1/2014, S. 6f.)

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Ermutigung, Natur / Schöpfung, Protest, Teilen / Solidarität, Wirtschaft / Ökonomie abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s