5. März: Massentierhaltung (Teil 1) – Lust auf ein Golden-Retriever-Schnitzel?

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Glückliche und freie Zebras in der Ganab-Ebene / Namibia – Foto: Konny von Schmettau (2014)

Ich schäme mich eher dafür, bis damals [auch als bekennender Christ] so wenig über das Thema [Weltverantwortung] nachgedacht zu haben und auch heute erst in Anfängen Schritte umzusetzen.“ (Christian Brenner)

Das ist doch ein Hammer! Und ein ziemlich positiver noch dazu, wie ich finde. Danke, Christian Brenner, für diese ehrlichen und mutmachenden Worte! Die haben mir echt so sehr gut getan. Denn zu selten, ja fast nie höre ich solch ein reuevolles, mutiges und aufrichtiges Eingeständnis aus dem Munde eines bekennenden, konservativen und frommen Christen.

Richtig gestolpert bin ich über diese Zeilen in den letzten Tagen. Ich las sie in einem Beitrag der Zeitschrift „EiNS“ – dem offiziellen Blatt der „Evangelischen Allianz in Deutschland“ (mit Sitz in Bad Blankenburg), und zwar unter der Überschrft „Der Auftrag: Bebauen und Bewahren. Unsere Weltverantwortung und das 1. Buch Mose. Ein biografischer Zugang (EiNS [1/2014], S. 6f.). Gestolpert bin ich über sie deswegen, weil ich solche Ansichten aus konservativeren Christenkreisen eher kaum gewohnt bin. Dort unterhält man sich eher über Themen wie:

  • Das richtige Bibelverständnis
  • Gemeindeaufbau und Mission
  • Gnade & Gericht
  • Homosexualität
  • Seelsorge
  • Diakonie
  • Erziehung & Eheverständnis
  • Das Leben nach dem Tod.
  • etc.

Aber brisante und sehr, sehr wesentliche Geschichten wie …

  • Weltverantwortung
  • Massentierhaltung
  • Nachhaltige Landwirtschaft
  • Ökologisch vertretbares Handeln
  • Umweltschutz
  • Bioprodukte und Fairtrade

werden hier aus meiner Erfahrung nur sehr, sehr selten in Betracht gezogen. Deshalb bekam ich beim Lesen dieses Artikels wirklich große Augen, staunte nicht schlecht und freute mich riesig darüber. Wow! Es gibt sie doch noch: Die selbstkritischen und fair nachdenkenden Frommen. Christian Brenner ist derzeit als Generalsekretär des Bibellesebundes tätig und nebenbei Mitglied im Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz und im Redaktionskreis der Zeitschrift „EiNS“. Geschrieben hat er sie zu einem recht brisanten Thema: Nämlich Weltverantwortung!

Unverkennbar springt mir sofort ins Auge: Der Autor hat ein neues Mitgefühl für den Schmerz von Tieren gewonnen. Ja, auch Tiere können wahnsinnig leiden. Jeder Haustierbesitzer weiß das aus bester persönlicher Erfahrung. Komischerweise leiden Besitzer von Hunden, Katzen, Kaninchen und Kanarienvögeln heftig mit, wenn ihr treuer Gefährte (bzw. die treue Gefährtin) krank daniederliegt, von einem Auto angefahren wird oder sogar stirbt. Wenn aber 30.000 wochenlang eng eingepferchte Hühner, Schweine oder Gänse bis zum Erbrechen gemästet, mit Antibiotika vollgepumpt, gequält und schließlich zu Tausenden abgeschlachtet werden, dann kräht kaum ein Hahn danach. Und deren Fleisch dann anschließend zu klopfen, zu braten und aufzuessen, bringt auch kaum einen frommen Christen groß auf die Palme.

Was aber wäre, wenn ich mal aus Spaß keine Geflügelfarm, sondern einen Golden-Retriever-Schlachthof ins Leben rufen würde? Na, bekommt ihr Appetit? Man könnte die Welpen schön den Müttern frühzeitig entreißen, sie mit Hundefutter und Antibiotikum vollpumpen, 10 Stück in einen Käfig quetschen (ohne Tageslicht versteht sich), sie dann gemästet schön mit einen Bolzenschuss zu Tode bringen, sie häuten und die Leiber hübsch maschinell an Haken und Fließbändern der weiteren Wurstverabeitung zuführen. Um sich dann später schön mit der Familie einige Golden-Retriever-Schnitzel anbraten zu können. Na, wie wär’s? Von mir aus könnten wir das auch mit Perserkatzen machen. Damit ließe sich sicher auch ein Heidengeld verdienen …

Haustierbesitzer werden natürlich jetzt zumeist entsetzt aufschreien! So etwas ergäbe einen gewaltigen Skandal in Deutschland. Sicher würden mir gleich 60 Millionen Deutsche einzelnd an die Gurgel springen wollen. Viele hielten mich sicher für einen ausgemachten Sadisten und Tierquäler. Aber wenn in Deutschland im Jahre 2013 insgesamt 765 Millionen Tiere aller Art geschlachtet, verarbeitet und weggefuttert werden (http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/schlachtzahlen-2013), dann tut das kaum einer Seele weh …

Wie kommt das? Wie können wir so unterschiedlich empfinden? Ich schließe mich voll mit ein, denn: Wie konnte auch ich jahrzehntelang Schweinesteak, Rinderroulade, Hähnchenschenkel, Gänsebraten und Kaninchenkeule verzehren, ohne auch nur einen Hauch von Gewissensbissen zu verspüren? Hätte aber damals ein Nachbar unser Meerschweinchen nur kurz getreten, so hätte er um sein Leben laufen müssen. Wie kommt es, dass viele von uns so schizophren empfinden?

(Fortsetzung folgt!)

 

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2 Antworten zu 5. März: Massentierhaltung (Teil 1) – Lust auf ein Golden-Retriever-Schnitzel?

  1. kathi84 schreibt:

    Gut, dass dieses Thema einmal angesprochen wird. Ich habe mich das auch oft gefragt. Es ist sicher eine kulturelle Frage, was als Haustier und was als Nutztier angesehen wird. In Südamerika ist es üblich Meerschweinchen zu essen, im Ganzen natürlich. Wir wären empört. Aber ist es nicht so, dass auch wir den Hasenbraten kennen, bei welchem viele Kinder feuchte Augen bekämen, wenn sie wüssten, sie würden den kleinen, süßen Hasi nun als Mittagessen serviert bekommen? Ich bin gerade in Vietnam und die Speisekarte liest sich wie ein Zoo: Haifisch, Krokodil, Schildkröte (komplett mit Panzer), Schlange, etc. Weiter nördlich ist auch Hund und Katze denkbar. Ich denke, es ist nachvollziehbar, dass wir Tierfleisch zu uns nehmen, mir ist nur wichtig, dass das Tier artgerecht gehalten wird und es für mich nicht leiden muss. Hunde, die wie in China fast zu Tode zu geprügelt werden, damit ihr Fleisch später schön zart ist, ist unmenschlich und für mich absolut nicht nachvollziehbar. Selbst einen Lobster lehne ich ab. Ein Tier bei lebendigem Leibe in kochendes Wasser zu werfen ist ebenso unmenschlich wie kaltherzig. Um es mit Leonardo da Vincis Worten zu sagen: „Wahrlich ist der Mensch der König aller Tiere, denn seine Grausamkeit übertrifft die Ihrige“.
    Aber oftmals gilt die Devise: „Aus den Augen aus dem Sinn“, wird die Massentierhaltung mit schrecklichen Bilder in den Medien angeprangert ist die Empörung groß, doch Stunden später genießen wir doch wieder ein gebratenes Hähnchen. Wir müssen verstehen lernen, dass nicht nur unser Bello und unsere Minka Gefühle wie Trauer, Schmerz und Freude kennen, sondern jedes einzelne Tier auf dieser Welt. Wir müssen nicht Vegetarier werden, aber wir sollten uns darauf besinnen, der Natur nur soviel zu nehmen, wie wir auch tatsächlich brauchen. Dann gibt es halt nur noch sonntags Fleisch. Wäre das so schlimm? Keine Massentierhaltung, keine Tierquälereien mehr. Deshalb hier noch ein schönes Zitat von da Vinci: „Es wird die Zeit kommen, da das Verbrechen am Tier genauso geahndet wird, wie das Verbrechen am Menschen“.

    • mwehrstedt schreibt:

      Wow! Dein ausführlicher Kommentar, Kathi, ist ja einen eigenen Blog-Beitrag wert 🙂 Ja, das sehe ich auch so, dass uns einfach die Nähe und Vertrautheit zu den Tieren in den Massentierhaltungen fehlen. Wären wir einfach näher dran, würden wir viel mehr mitleiden und wohl auch unsere Essgewohnheiten ändern. Das habe ich in meinem Teil 2 auch so angedeutet. Und ‚Voll-Vegetarier‘ muss wirklich keiner sofort werden. Hauptsache, wir reduzieren unseren Fleischkonsum und verhindern so erst einmal das große schlimme Leid von Hunderten von Millionen von Tieren. Danke auch für die beiden tollen Zitate von Leonardo da Vinci! 🙂

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