24. Februar: Von der Sozialkompetenz eines WG-Bewohners – Der ganz normale Wahnsinn (Teil 2)

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(Fortsetzung vom 21.02.14)

Ich weiß: Mein letzter Beitrag hier („Von der Sozialkompetenz eines WG-Bewohners [Teil 1]) war ein bisschen bissig und sarkastisch. Aber das musste einfach mal gesagt werden. Wenn Dinge so sind, wie sie sind, dürfen sie auch angesprochen werden. Wenn ich das Gefühl habe, dass meine gut gemeinten (und doch auch recht vernünftigen) Bitten einfach müde in den Wind geschlagen und ignoriert werden, empfinde ich auch das Recht, meine Meinung dazu kundtun zu dürfen. Kein Mensch ist dazu verpflichtet, sich ohne Widerstand das Leben schwer machen zu lassen. Kein WG-Bewohner muss es wortlos hinnehmen, wenn andere WG-Bewohner schlicht die gemeinsamen Regeln ignorieren und auf den freundlichen Bitten ihrer Mitbewohner mehr oder weniger herumtrampeln.

Und um es noch einmal klarzustellen: Jeder kann ja in seinen eigenen vier Wänden so viel frittieren, wie er möchte. Aber eine WG ist eine WG. Und dort sollten alle – zumindest in den Gemeinschaftsräumen – aufeinander Rücksicht nehmen. Dazu gehört, dass man die Klamotten, Lungen und Privatzimmer der anderen nicht mit allen möglichen Dünsten verpestet, sondern die Gemeinschaftsräume nach Gebrauch kurz & bündig lüftet. Das ist nicht zu viel verlangt. Vergessen kann jeder einmal etwas. Und daran wird sich keiner stören. Wer sich aber resistent egoistisch, bequem und faul verhält, hat meines Erachtens nichts in einer WG zu suchen, sondern sollte seine Bequemlich- und Verantwortungslosigkeit (oder beides) besser in einer eigenen Wohnung auskosten – ohne anderen permanent auf den Senkel zu gehen. Dort kann jeder nach seinen eigenen Regeln leben (natürlich unter der Voraussetzung, er stört nicht wieder Leute, die neben, über oder unter ihm wohnen). Dort kann jeder selbst bestimmen, was gekocht, wann geputzt und wie oft gelüftet wird. Aber in eine Wohngemeinschaft passt solch ein Mensch nicht hinein. Das hat aus meiner Sicht nichts mit Verachtung oder Diskriminierung zu tun. Es geht mir hier schlicht um eine vernünftige Entscheidung für alle Beteiligten. Wer seine Pflichten nicht einhält, sollte auch seine Rechte nicht bekommen können.

Ich weiß: Ich muss mich selbst auch etwas zurücknehmen. Denn es mag auch Ausnahmen von der Regel geben, z.B.:
  • 1. Ein Studierender steht aufgrund von Klausuren vorübergehend unter starkem psychischem Stress und verpeilt deswegen einfach ein paar Dinge. Bei einem freundlichen und ehrlichen „Sorry“ ist da natürlich sofort wieder alles in Butter.
  • 2. Jemand steht vorübergehend unter akutem Zeitdruck und schafft es zeitlich nicht mehr, die Anrichte abzuwischen oder die Küche zu lüften. Wenn so etwas nur ab und zu vorkommt und auch hier ein aufrichtiges „Sorry“ erfolgt, ist mit keinem Stress meinerseits zu rechnen. Auch so etwas ist menschlich.
  • 3. Jemand hat gerade Gäste, die über die WG-Regeln noch nicht so gut bescheid wissen. Diese sollten dann aber beizeiten auch informiert werden.
  • 4. Jemand ist kulturell gesehen ganz andere Sitten & Gebräuche gewöhnt. Auch dafür möchte ich Verständnis haben. Aber wir leben hier nicht in der Zentralafrikanischen Republik oder in Bangladesh, sondern in Deutschland. Und da sollte jeder Einreisende so freundlich sein, sich auch ein bisschen an unsere kulturellen Gewohnheiten anzupassen. Okay, es gibt auch bratende und frittierende Deutsche, die nicht gerne lüften. Aber ein wenig frische Luft kann nicht schaden, ist gesund und verhindert sogar Schimmelbildung in den Wohnräumen. Regelmäßiges Lüften kann also für alle Beteiligten nur gut sein.

Meine Zeilen sollten außerdem nicht den Eindruck erwecken, das Leben in WGs oder Wohnheimen wäre generell nur anstrengend, belastend, schrecklich, konfliktbeladen, kurz um: total katastrophal. Nein, das ist es nicht. Im Gegenteil: Wenn alle ein bisschen guten Willen zeigen, kann es eine großartige Geschichte sein. Hier ein paar gute Gründe dafür:

Einige positive Gründe für ein Leben in einer WG, einem Studierendenwohnheim oder einer Kommune:
  • 1. Eine WG schützt mitunter vor Vereinsamung. Wer Gemeinschaft sucht, kann sie hier meistens finden.
  • 2. Eine WG-Leben ist meistens günstiger, weil die Bewohner sich die Gemeinschaftsräume teilen.
  • 3. In einer WG können sich die Bewohner gegenseitig ergänzen. Jeder kann seine besonderen Stärken einbringen.
  • 4. In einer internationalen WG können alle – wenn sie guten Willens sind – kulturell und sprachlich voneinander lernen.
  • 5. Praktische Probleme lassen sich in einer WG meistens etwas schneller lösen (z.B. Probleme beim PC, beim Drucken, beim Kochen, Geschirr, Werkzeug, Bürokratie, Beratung etc.).
  • 6. In einer internationalen WG ist es auch möglich, in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht mehr Weitsicht und Weltsicht zu bekommen. Hier kann sich die Globalisierung wirklich positiv auswirken.

Sicher: Es gibt auch WGs, in denen die Bewohner lieber für sich bleiben wollen. Warum nicht. Auch das muss möglich sein. Wenn alle sich an die Hausordnung bzw. die offiziellen Regeln halten und einander respektieren, sollten alle kleineren und größeren Konflikte gut miteinander zu lösen sein.

Wenn aber alle Stricke reißen, müsste in einem Wohnheim vom Leiter – wie in einem Fußballspiel vom Schiedsrichter – bei besonders grobem Foulspiel und dauerhaften Nickligkeiten mal eine gelbe oder rote Karte gezogen werden. Das ist dann nicht böse gemeint, sondern geschieht zum Wohle der Gemeinschaft bzw. des Gemeinschaftslebens. Nur so funktioniert auch ein Fußballspiel. Ansonsten gerät schnell alles außer Rand und Band. Wo das nicht geschieht, versinkt eine WG (wie auch ein Fußballspiel) schnell im Chaos und im offenen Streit (wobei es bei bösen Fouls auch zu schlimmen Verletzungen kommen kann). Das sollte vermieden werden. Hier kann der Schiedsrichter schützend, verwarnend und helfend eingreifen und damit einen wohltuenden Zustand wiederherstellen. Das gilt m.E. übrigens für alle Formen von Gemeinschaft, also auch für Familien, Schulklassen, Vereine, Kirchengemeinden und Kegelclubs.

So, für heute reicht’s aber. Allen, die aktuell in Wohngemeinschaften zuhause sind, wünsche ich viel Weisheit im Miteinander – und auch Geduld. Manchmal brauchen wir hier einen langen und tiefen Atem – und mitunter auch mal eine kleine Portion Barmherzigkeit. Auch ich! 🙂

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