21. Februar: Von der Sozialkompetenz eines WG-Bewohners – Der ganz normale Wahnsinn (Teil 1)

BildWurde der Mensch, so wie er ist, als reines Vernunftwesen geschaffen? Oder stammt er vom Einzeller und der Amöbe ab? Wenn jemand schon mal in einer größeren WG oder in einem Studierendenwohnheim gelebt hat, wird er oder sie diese Frage – wie aus der Pistole geschossen – mit Einzeller/Amöbe beantworten! Denn so viel animalisch-primitives Verhalten (nichts gegen Einzeller, Amöben und andere kleinen Lebewesen), wie es in WGs oder Studierendenwohnheimen zutage tritt, geht über jede Kuhhaut.

Gerade eben komme ich vom Schwimmtraining zurück. Schon im Treppenhaus rieche ich der Katastrophe entgegen. Schon tausende Male (eher zehntausende!) hatte ich freundlich, dann weniger freundlich, später in Form von ausgewachsenen Wutausbrüchen darauf hingewiesen, dass nach dem Zubereiten eines sehr geruchsintensiven Mahls darauf zu achten wäre, dass Küche und Flur einmal kurz und kräftig zu lüften seien. Denn nicht jeder Mensch möchte regelmäßig an einem Erstickungsanfall sterben oder chronisch an fettverklebten Bronchien erkranken.

Aber anscheinend ist es auch nach 112597 Versuchen nicht möglich, diese kleine und hilfreiche Regel in die Birne eines hochintellektuellen Studierenden hineinzukloppen. Ich habe schon einige Dokumentationen gesehen, in denen sich ein Orang-Utang oder eine stinknormale Rabenkrähe bis zu 8 (in Worten: aaaaaaaaaaaaaaaacht!!!) verschiedene Lernschritte hintereinander merken konnte, um an etwas Nahrhaftes heranzukommen!! Nochmals in Worten: aaaaaaaaaaaaaacht verschiedene Lernschritte!! Eine Rabenkrähe, die nicht einmal die Vorschule besucht hat!!!! Und Studierende der IT-Sicherheit (und anderer Studienfächer auch) bekommen es reihenweise nicht auf die Reihe, sich 4 (in Worten: viiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiier!!!) winzige, mickrige, mikrobenhafte Handlungsanweisungen in ihr eigenes durchgeknalltes Gehirn reinzumeißeln!! Nur viiiiiiiiiiiiiiiiiiiier Schritte!!! Und zwar:

  • Erstens: Fenster Nr. 1 auf!
  • Zweitens: Fenster Nr. 2 auf = Durchzug!!! Das Ganze 5 Minuten lang. Dann …
  • Drittens: Fenster Nr. 1 zu und …
  • Viertens: Fenster Nr. 2 zu. Feeeeeeeeeeeeeertig!!!

So einfach ist das! Aber ich komme nach Hause – und mein liebenswerter Mitbewohner hat zum gefühlten 3856. Mal wieder alle nur erdenklichen Räume unserer Wohnheimetage derart mit Braten- oder Siedefett verstunken, dass ich schon nach zwei, drei Schritten nach Betreten des Flures fast wieder rückwärts ins Treppenhaus zurückstürze! Eine Wand von ganzen Zentnern von frisch verdampftem Sonnenblumen- oder Rapsöl kommt mir da entgegen und wirft mich – mal wieder!! – wie ein Hammer aus der Bahn. Meine ungezählten (ja nie gezählten, weil unmöglich!) herzlichen, vehementen, ja flehenden Bitten wurden wieder einmal nicht erhört. Dieser Kerl bringt es fertig, geschlagene zwei Stunden lang in der Lautstärke eines Offiziers mit irgendwelchen Leuten herumzutelefonieren – so laut, als möchte man meinen, er spräche nicht zu einer Person am Ende einer Leitung, sondern vor einer riesigen Menschenmenge ohne Mikrofon! Wie er eine einzige Person am Telefon mit einer Menschenmasse von ca. 5.000 Schwerhörigen verwechseln kann, wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben. Seine Stimme ist dermaßen laut, dass ich noch durch zwei Wände hindurch bei zwei geschlossenen Türen jedes Wort einzeln verstehen kann (auch nachts um 1 Uhr übrigens)! Das Schlimmste daran ist: Das ist nicht gelogen. Aber noch schlimmer wirken seine besagten Kochgewohnheiten auf mich. Er bringt es einfach nicht fertig, beim oder nach dem Kochen zwei Fenster zu öffnen, sie 3-5 Minuten auf Durchzug zu halten – und dann einfach wieder zu schließen. Zwölf volle Monate hoffe und bete ich nun schon (teilweise auf Knien!), dass sich irgendeine seiner verlorenen Gehirnwindungen endlich einmal erbarmt und das durchfunkt, worum ich ihn so inständig gebeten habe. Doch viel Hoffnung habe ich nicht mehr. Dieser Typ scheint einfach an dieser Stelle lern-resistent zu sein. Nicht, dass der gute Wille nicht da wäre. Er versucht es ja ansatzweise mal (so ca. alle zwei Monate). Aber nie bekommt er alle vier Schritte gleichzeitig hin.

  • 1. Entweder er öffnet die Fenster nicht richtig, sondern kippt sie nur (wodurch das Lüften ca. zwei Stunden dauert)
  • 2. oder er öffnet oder kippt nur eines der beiden Fenster (sodass überhaupt kein Durchzug möglich ist und das Lüften ca. zwei Tage dauert)
  • 3. oder er reißt – mitten im tiefsten Winter – beide Fenster auf, vergisst aber natürlich (wie sollte es auch anders sein), sie wieder zu schließen – sodass sie die ganze eisig kalte Nacht über offenstehen und die Zimmertemperatur unserer Küche am nächsten Morgen bei annähernd minus 10 °C liegt!
  • 4. Oder er vergisst alle vier Schritte auf einmal (was meistens passiert – zumindest erspare ich mir dann am nächsten Morgen einen Erfrierungstod).

Es ist zum Verzweifeln! Aber sein neurologischer Schaltkasten scheint einfach nicht mehr herzugeben. Nebenbei ist er allerdings in der Lage, sein hochkompliziertes IT-Studium recht gut zu meistern. Wie er das eine schafft und das andere nicht, das mag wer weiß verstehen – ich schaffe es nicht. Dabei würde ein ganz einfaches, kurzes, simples, 5-minütiges, in null-Komma-nichts-zu-kapierendes Lüften so viel unglaublich Gutes bewirken, nämlich:

  • 1. Die Konzentration von verdampftem Fett in der Wohnluft ließe sich auf diese Weise schon innerhalb von 5 Minuten von 95 % auf vielleicht 20 % senken.
  • 2. Chronische Atemwegsentzündungen aufgrund von gasförmig in der Wohnluft zirkulierenden Fleischresten könnten so vermieden werden.
  • 3. Mein Blutdruck würde sich von 180 zu 240 auf milde 70 zu 120 senken.
  • 4. Ich müsste meine frisch gewaschene und im Flur frisch zum Trocknen aufgehängte Wäsche nicht dreimal hintereinander in die Waschmaschine stecken und vorher das kondensierte Bratenfett aus meinen Klamotten wringen.
  • 5. Ich müsste nicht ständig in meinen Braten-und Frittierfett-Alltags-Etagen-Klamotten rumlaufen, die bereits derart stinken, dass jeder U-Bahn-Mitfahrer (würde ich sie dort tragen) annehmen müsste, ich hätte gerade 12 Stunden ohne Unterbrechung in einem Grillhähnchenstand geschuftet.
  • 6. Ich würde auch endlich wieder einmal normal auf meinem Zimmer durchatmen können. Halleluja!

Ich weiß: Es gibt auch noch andere Probleme in einer WG! Manche duschen zum Beispiel eine Stunde lang ohne Unterbrechung bei nahezu kochendem Wasser (ich weiß nicht, was für eine harte Dreckkruste auf ihrem Körper sitzt, dass sie sich derart lange schrubben müssen). Oder andere heizen auch bei offenem Fenster den gesamten Winter hindurch ihr Zimmer auf Höchsttemperatur. Diese Typen erhalten vermutlich immense Provisionen von den großen Fernwärmeanbietern (anders kann ich mir deren unfassbar asoziales Verhalten nicht erklären, denn bei uns zahlt jeder den gleichen Heizkostenpauschalbetrag, unabhängig davon, wieviel er oder sie verbraucht). Aber über die hirnverbrannte Energie- und Wasserverschwendung von hochintellektuellen Studierenden lasse ich mich lieber ein andermal aus. Heute zumindest war mein Wutpegel als Wutbürger derart in die Höhe geschossen, dass ich alle Türen, Fenster, Schränke und Klodeckel derart zugedonnert habe, dass meinem nichtlüftenden Mitbewohner hoffentlich alle Kopfhörer aus den Ohrmuscheln geflogen sind. Ich weiß: Ein wenig mehr Milde und Geduld würden meiner Gesundheit besser anstehen. Aber in solchen Fällen muss der psychische Überdruck einfach mal an die frische Luft – oder besser gesagt: an die frittierfettverseuchte WG-Luft. Ich hoffe, dass ich in der kommenden Nacht keinen Erstickungstod erleide. In diesem Sinne für heute: Gute Nacht!

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3 Antworten zu 21. Februar: Von der Sozialkompetenz eines WG-Bewohners – Der ganz normale Wahnsinn (Teil 1)

  1. Das mit der Fetttröpfchen-geschwängerten Luft kenne ich auch aus Studienzeiten im Studentenwohnheim. Meine verschiedenen chinesischen Mitbewohner haben es im Laufe der Studienjahre auch jedes Mal geschafft, dass einem nach stundenlangem Braten und Kochen fast die Luft abgeschnürt wurde, sobald man sich in diese Giftgaszone zu bewegen traute. Ganz fies: Chili!
    Die Köche selbst scheinen dabei recht immun gegen diese atemberaubende und fast schon lebensfeindliche Atmosphäre zu sein. Vielleicht sollten wir sie zur Erkundungstour auf den Mars schicken?

    Oftmals hatte ich das Gefühl, dass sie die Herdplatten mit einer offenen Feuerstelle verwechselten….aber klar….man bollert ja auf höchster Stufe bis sich auch der letzte Tropfen Öl in der Pfanne in Rauch aufgelöst und sich formschön auf Einrichtungsgegenständen und Tapeten abgelagert hat. Am Lüfter klebten irgendwann (noch nicht einmal 2 Wochen nach deren Einzug!) sogar pittoreske Gebilde aus rußig verschlammtem Staub.
    Bei diesem gewagten Kochstil mit Öl kurz vor dem Entflammungspunkt wunderte es mich auch irgendwann nicht mehr, dass hin und wieder der Feueralarm ausgelöst wurde.
    Ich zog es aber aus hygienischen Gründen sowieso vor, so wenig Kontakt wie möglich mit diesen versifften Räumlichkeiten aufzunehmen, sodass die fast einzigen Berührungspunkte mit der Küche neben der Spüle (mit Überwindung) die beiden Herdplatten waren.

    Ich sage dazu nur : Was uns nicht umbringt, macht uns stark und zum Glück ist diese Zeit der Kompromisse und verklebten Lungenflügel bei mir vorbei.
    *Sauerstoffmaske herüberreich*

    • mwehrstedt schreibt:

      Ja, die Chinesen (und Koreaner auch) kochen halt so gerne, so lange, so viel, so heiß und so wild, wie sie nur können. Das kenne ich auch hier. Das Kochen gehört kulturell zu ihrem Lebenselixier. Und sie sind tatsächlich ganz andere Gerüche und Dämpfe gewohnt als unsereiner. Das betrifft auch ihren unglaublichen Energieverbrauch – oftmals gleich für 3-4 Familien 😉

      Aber wir sind alle auch Gewohnheitsmenschen und ‚Opfer‘ unsrer eigenen Kultur und Vergangenheit. Ich konnte auch manches von den Chinesen lernen. Wir bleiben dran – im Verstehenwollen 😉
      Lieben Gruß!

      • Es bringt nichts, andere Mitmenschen in ihren kulturellen Gewohnheiten einzuschränken, nur weil sie hier in Deutschland leben/zu Gast sind (Studenten). Neue, fremde Einflüsse können definitiv belebend wirken im Alltags- und Gewohnheitentrott.

        Auf der anderen Seite brauchen manche von denen aber auch noch eine gute Prise Rücksicht auf die Umwelt in ihrer teils schon ausufernden Zutatenliste, damit alle glücklich sein können.

        Anpassung und Freiheit müssten sich im besten Falle die Waage halten.

        Aber dieses Anliegen wird wohl schwer zu realisieren sein…irgendwo fühlt sich am Ende wieder einer in seinen Rechten beschnitten.

        Es gibt also noch viel zu tun im interkulturellen Austausch! (-:

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