8. Februar: Von den Global Playern dieser Welt – Wohin fließen eigentlich ihre gewaltigen Gewinnsummen?

Heute mal was besonders Interessantes für Statistiker, Wirtschaftswissenschaftler, Globalisierungsgegner, Manager aller Art, Steuerfahnder, Finanzbeamte, Vorstandsvorsitzende, Aktienhändler, Finanzminister, Klimaforscher, Sozialkritiker, Naturschutzfreunde, Verschwörungstheoretiker, Steueroasenbesitzer, Seelsorger der Superreichen und alle politisch engagierten Normalbürger! Nämlich: die neue Website meines älteren Bruders Matthias! Diese lautet:

http://www.unternehmen-gewinne-steuern.de/

Wie der Name und die Überschrift der Website schon sagen, geht es dabei um die 150 „Unternehmen mit den höchsten Gewinnen der Welt“, deren „kumulierte [angehäufte] Gewinne der letzten Jahre“ sowie die tatsächlich „gezahlten Ertragssteuern“. In einer sehr umfangreichen Tabelle werden die wichtigsten Daten und Zahlen der größten derzeit waltenden Unternehmen der Welt aufgeführt.

Unterschieden werden folgende Rubriken:
  • Name des Unternehmens
  • Sitz des Unternehmens (Land)
  • die entsprechende Branche
  • die Bilanzsumme (letzter Umsatz in Millionen USD)
  • der 7-Jahres-Gewinnsumme vor Steuern – also vor Abzug der Ertragssteuern (in Millionen USD)
  • der 7-Jahres-Gewinnsumme nach Steuern – also nach Abzug der Ertragssteuern (in Millionen USD)
  • die gezahlten Ertragssteuern (in Millionen USD)
  • die Steuerquote (in %)
  • sowie den eventuellen Staatsanteil des jeweiligen Konzerns (und den entsprechenden Staat dazu)

Schon bei Betrachtung der ersten Zahlenkolonnen wird mir schwindelig. Man, was für unglaubliche Summen von Geld fließen denn da durch die globalen Finanzkanäle! Spitzenreiter beim Umsatz ist die gigantische US-amerikanische Öl-und-Gas-Firma EXXON Mobil mit einem Betrag von 482 Milliarden USD. Unglaublich. Damit erreicht dieser Konzern beinahe das gesamte Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Belgien im Jahr 2011 (nämlich 513 Milliarden, allesdings Euro; vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Belgien). Dicht gefolgt wird EXXON Mobil vom niederländisch-britischen Konzern Royal Dutch Shell (ebenso Öl & Gas) mit einer Bilanzsumme von 481 Milliarden USD.

Die größten Banken der Welt spielen da nochmals in einer anderen Liga. Klar, sie handeln ja auch mit Geld bzw. Kapital. Hier besitzen die folgenden zwölf Banken die höchsten Bilanzsummen (alle über 2 Billionen USD):

  • ICBC / China (2.784 Milliarden = 2,784 Billionen USD)
  • Mitsubishi UFJ / Japan (2.744 Milliarden USD)
  • HSBC / Großbrittanien (2.692 Milliarden USD)
  • Deutsche Bank / Deutschland (2.579 Milliarden USD)
  • BNP Paribas / Frankreich ((2.445 Milliarden USD)
  • Barclays / Großbrittanien (2.365 Milliarden USD)
  • JP Morgan / USA (2.359 Milliarden USD)
  • Bank of America / USA (2.209 Milliarden USD)
  • China Construction Bank / China (2.188 Milliarden USD)
  • Mizuho Financial Group / Japan (2.112 Milliarden USD)
  • AGR. Bank of China / China (2.102 Milliarden USD)
  • Bank of China / China (2.012 Milliarden USD)

Bei dieser Zusammenstellung springt mir gleich ins Auge, in welchen Staaten das meiste Kapital der Welt zusammengehalten wird. Vertreten sind nämlich:

  • 4mal China
  • 2mal USA
  • 2mal Japan
  • 2mal Großbrittanien
  • 1mal Deutschland
  • 1mal Frankreich

Das sind die finanzkräftigsten Mächte dieser Welt.

Die drei gewinnträchtigsten Firmen nach „ihrer 7-Jahres-Vorsteuer-Gewinnsumme“ vor Abzug der Ertragssteuern sind:
  • 1. EXXON Mobil (Öl & Gas / USA): 459 Milliarden USD
  • 2. Royal Dutch Shell (Öl & Gas / Niederlande + GB): 308 Milliarden USD
  • 3. Gazprom (Öl & Gas / Russland): 287 Milliarden USD

Das Erstaunliche: Unter den 10 gewinnträchtigsten Konzernen dieser Erde sind 9 Öl-und-Gas-Firmen. Was hat uns das wohl zu sagen? Das spricht für die weltweit unfassbar gewaltige Öl-und-Gas-Lobby. Und jetzt kann auch jeder, der auch nur bis drei zählen kann, verstehen, warum der weltweite Klimaschutz mit nahezu allen Mitteln bekämpft und behindert wird. Die Öl-und-Gas-Imperien fürchten um ihre gewaltigen Milliardengewinne und ihren schier unermesslichen Einfluss.

Hier die drei aktuell gewinnträchtigsten Firmen nach „ihrer 7-Jahres-Vorsteuer-Gewinnsumme“ nach Abzug der Ertragssteuern:
  • 1. EXXON Mobil (Öl & Gas / USA): 266 Milliarden USD
  • 2. Gazprom (Öl & Gas / Russland): 224 Milliarden USD
  • 3. Royal Dutch Shell (Öl & Gas / Niederlande + GB): 175 Milliarden USD

Unglaublich, welche Reingewinne bei diesen Konzernen am Ende noch übrigbleiben. Da fehlen mir doch glatt die Worte. Zum Teil werden natürlich auch gewaltige Summen an Ertragssteuern gezahlt.

Hier die drei aktuell größten Ertragssteuerzahler weltweit:
  • 1. EXXON Mobil (Öl & Gas / USA): 193 Milliarden USD
  • 2. Statoil (Öl & Gas / Norwegen): 137 Milliarden USD
  • 3. Royal Dutch Shell (Öl & Gas / Niederlande + GB): 132 Milliarden USD

Was bei dieser Aufstellung natürlich besonders interessiert, ist die Frage: Wie hoch sind die jeweiligen zu zahlenden Ertragssteuern im Verhältnis zum jeweiligen Gewinn? In anderen Worten: Wieviel Prozent Ertragssteuern zahlte jeder Konzern in den letzten sieben Jahren? Wer hat hier ordentlich gelöhnt? Und welche Konzerne verstanden es am besten, die Zahlung von möglichst vielen Ertragssteuern zu vermeiden?

Hier die Unternehmen, die prozentual die meisten Ertragssteuern zahlten:
  • 1. Inpex (Öl & Gas / Japan): 72,5 % (19 % Anteile von Japan)
  • 2. Statoil (Öl & Gas / Norwegen): 70,2 % (67 % Anteile von Norwegen)
  • 3. Maersk (Reederei & Öl / Dänemark): 60,8 %

Die 72,5 % Ertragssteuern bei Inpex und die 70,2 % von Statoil sind verständlich, da hier die Staaten Japan und Norwegen jeweils Firmenanteile von 19 bzw. 67 % halten und somit ein Großteil der Gewinne und Ertragssteuern wiederum diesen beiden Staaten zugute kommen werden. Die oben genannten Unternehmen (und einige weitere) zahlen hier ernorme Steuersummen auf ihre Gewinne. Andere Global Player hingegen scheinen Weltmeister im Vermeiden von Ertragssteuern zu sein. Anders sind die minimalen Beträge kaum zu erklären.

Die Gewinner bei den möglichen ‚Steuervermeidern‘ sind:
  • 1. Arcelor Mittal (Stahl / Luxemburg): – 13,1 % (!)
  • 2. Taiwan Semiconductor (Computer / Taiwan): 7,4 %
  • 3. Sabic (Öl+Chemie / Saudi-Arabien): 7,6 %

Unglaublich diese -13,1 % des luxemburgischen Unternehmens Arcelor Mittal! Diese Firma erhielt (!) 5,2 Millionen USD aus dem Steuertopf – statt Ertragssteuern zahlen zu müssen. Der Hammer! Wie ging denn das?

Auffällig auch die unglaublich niedrigen Ertragssteuersätze bei folgenden Weltunternehmen:
  • Hutchison Whampoa (China+Hongkong / Mischkonzern): 7,7 %
  • General Electric (Mischkonzern / USA): 12,9 %
  • Sun Hung Kai Properties (Immobilien / China+Hongkong): 12,9 %
  • Novartis (Pharma / Schweiz): 14,4 %
  • Verizon (Telekommunikation / USA): 15,2 %
  • Abbott Laboratories (Pharma+Medizin / USA): 15,8 %
  • Amgen (Pharma+Biotech. / USA): 15,9 %
  • Vale (Bergbau / Brasilien): 16,1 %
  • TD Bank Group (Bank / Kanada): 16,5 %
  • Reliance Industries (Öl+Mischkonzern / Indien): 16,7 %
  • Sanofi (Pharma / Frankreich): 17,1 %
  • Ing Groep (Bank / Niederlande): 17,3 %
  • Glencore Xstrata (Rohstoffe / Jersey+Schweiz): 17,7 %
  • Pfizer (Pharma / USA): 18,9 %
  • VW (Autos / Deutschland): 19,0 %
  • Nestlé (Nahrungsmittel / Schweiz): 19,2 %
  • E.ON (Energie / Deutschland): 19,4 %
  • Merck (Pharma / USA): 19,4 %
  • Vivendi (Medien / Frankreich): 19,6 %
  • Bristol Myers Squibb (Pharma / USA): 20,9 %
  • Bank of America (Bank / USA): 21,2 %
  • Banko Santander (Bank / Spanien): 22,0 %
  • Gazprom (Öl & Gas / Russland): 22,1 %
  • Microsoft (Computer+Software / USA): 25,1 %

Auffällig in dieser Auflistung: Allein sieben Pharma-Konzerne sind darunter. Dieses Phänomen sollte näher unter die Lupe genommen werden.

Folgende Fragen ergeben sich für mich aus dieser gesamten Statistik, und zwar:
  • 1. Wohin fließen eigentlich all die schier unglaublichen Reingewinne dieser 150 Konzerne?
  • 2. Wieviel Prozent ihrer Gewinne stecken diese Firmen in Neuinvestitionen?
  • 3. Wieviel Prozent ihrer Gewinne fließen in Löhne, Gehälter, Provisionen und Boni der jeweiligen Manager?
  • 4. Wieviel Prozent ihres Kapitals parken diese Konzerne in sogenannten Steueroasen (z.B. in der Karibik)? (Vgl. hierzu http://de.wikipedia.org/wiki/Steueroase#Wichtige_Steueroasen)
  • 5. Wieviel Prozent ihrer Gewinne stellen diese Wirtschaftsgiganten Hilfsorganisationen oder sozialen Projekten zur Verfügung?
  • 6. Warum haben die verantwortlichen Besitzer, Vorstände, Aufsichtsratsmitglieder sowie die leitenden Manager anscheinend so wenig Interesse an einer freundlicheren Gestaltung unseres Zusammenlebens auf diesem Planeten? Warum schützen sie so wenig die Natur? Warum kämpfen sie so wenig für den Schutz unseres Klimas? Warum fördern sie so wenig das soziale Miteinander? Warum teilen sie ihre Gewinne nicht mit bedürftigen, aber wundervollen Menschen? Warum träumen sie anscheinend so gut wie gar nicht von einer faireren und freundlicheren Welt? Was geht wirklich in ihren Hirnen vor?
  • 7. Was können wir gemeinsam unternehmen, damit sich diese Situation baldmöglichst zum Besseren verändert?

Mögliche Antworten sollen noch folgen. An dieser Stelle erst einmal einen großen Dank an meinen Bruder für seine fleißigen Recherchen und Zusammenstellungen. Ich denke, eine Menge Leute werden davon noch profitieren können. Ich hoffe, allen Leserinnen und Leser meiner Zeilen qualmt jetzt nicht zu sehr der Schädel von den vielen Zahlen und Fragen 🙂

 

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2 Antworten zu 8. Februar: Von den Global Playern dieser Welt – Wohin fließen eigentlich ihre gewaltigen Gewinnsummen?

  1. Matthias Wehrstedt schreibt:

    Danke für die Werbung!

    Ein paar Anmerkungen:
    Umsatz und Bilanzsumme darf man nicht direkt vergleichen. Die Bilanzsumme bietet sich bei Banken als alternativer Maßstab für die Größe an, weil sie alle der Bank zur Verfügung stehenden Vermögenswerte, also vor allem die Einlagen der Kunden, umfasst.

    Warum Pharmafirmen sehr wenig (und Öl-Firmen sehr viel) Ertragssteuern zahlen, weiß ich (noch) nicht.

    Wohin fließen die Gewinne? Natürlich u.a. in Investitionen, aber nicht zuletzt wird auch ein Teil an die Aktionäre als jährliche Dividende ausgeschüttet, wobei es sehr variiert, wieviel vom Gesamtgewinn dafür verwendet wird. Die ausgeschütteten Dividenden werden dann beim Aktionär übrigens nochmals besteuert, in Deutschland über die sog. Abgeltungssteuer pauschal mit 25%.

    Die Gehälter der Firmenmitarbeiter — also auch die der Manager — werden nicht aus dem Gewinn bezahlt, sondern sind schon vorher in der Gewinnberechnung als Kosten berücksichtigt worden.

    Wieviel Gewinn in welchem Staat besteuert wird, weiß man nicht, da die Unternehmen das nicht angeben müssen. Es gibt Initiativen, die sich dafür einsetzen, dass die Konzerne transparent machen müssen, wo wieviel Gewinn anfiel, u.a. das Tax Justice Net ( taxjustice.net ). Übrigens steht Deutschland in einer Rangliste des TJN zur Steuer“geheimheit“ auf Platz 9; siehe http://www.financialsecrecyindex.com/introduction/fsi-2013-results

    Schönen Sonntag noch,
    Gruß, Matthias

    • mwehrstedt schreibt:

      Vielen Dank, Matthias, für die hilfreichen Hinweise. Dass Deutschland aktuell den 9. Platz der TJN-Rangliste einnimmt – nicht weit von der Schweiz, Luxemburg und den Cayman-Inseln entfernt -, hätte ich nicht gedacht. Die Schweiz auf Platz 1 macht ihrer politischen Neutralität mal wieder alle Ehre. Wir bleiben dran an der Erforschung der globalen Wirtschafts- und Finanzwelt.

      Dir auch noch einen freundlichen Sonntag,
      Gruß Markus

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