5. Februar: Rosa Parks (1913-2005) – Eine Näherin leistet Widerstand!

Eine Näherin leistet Widerstand – mutig & wunderschön!

Heute möchte ich gerne an die US-amerikanische Bürgerrechtlerin Rosa Parks und ihr Leben erinnern (1913-2005). Sie hätte gestern – am 4. Februar 2014 – ihren 101. Geburtstag gefeiert. Sie starb bereits am 24. Oktober 2005 in Detroit (im US-Bundesstatt Michigan). Geboren wurde sie kurz vor dem Ersten Weltkrieg 1913 in Tuskegee (Alabama). Als Bürgerrechtsaktivistin ging sie in die US-amerikanische Geschichte ein. Ich möchte dieser mutigen Frau nicht nur gedenken, weil ich derzeit selbst im Rosa-Parks-Haus in Bochum lebe und arbeite (http://www.mlk-haus.de/dateien/hausrp.html), sondern weil mich ihr Handeln von damals auch immer wieder beeindruckt und sie selbst Vorbildcharakter für mich hat.

Zu ihrer Biographie: Rosa Parks wird als Mitstreiterin von Martin Luther King (1929-1968) weltbekannt. Am 1. Dezember 1955 (gut zu merken, weil der 1. Dezember auch mein Geburtstag ist 🙂 ) löst sie mit ihrem couragierten Verhalten den einjährigen Busboykott der sog. farbigen Bevölkerung in Montgomery (Alabama) aus. Sie ist zu diesem Zeitpunkt 42 Jahre alt. Kein Pastor, kein Politiker, kein Universitätsprofessor macht den ersten Schritt, sondern eine afro-amerikanische (wie man so schön sagt) herzhaft agierende ‘einfache’ Näherin! Sie wehrt sich dagegen, sich an die diskriminierenden US-amerikanischen Rassengesetze zu halten. So weigert sie sich, ihren Platz in einem Bus zu verlassen, der im Zweifelsfalle per Gesetz (!) einem Weißen zusteht. Folgende gesetzliche Regelungen bestehen 1955 in Alabama, was die Nutzung öffentlicher Busse betrifft:

  • 1. Die vordersten vier Reihen im Bus sind nur Weißen vorbehalten (!).
  • 2. Der mittlere Teil des Busses steht sowohl Weißen als auch „Farbigen“ („Coloreds“) zur Verfügung. Allerdings müssen alle „Farbigen“ eine Sitzreihe verlassen, wenn hier auch nur ein Weißer („White“) Platz nehmen möchte (!).
  • 3. Der hintere Teil des Busses ist dann ganz für die (meist vielen) „Farbigen“ vorgesehen.

Eine gesetzliche Regelung, für die den meisten von uns heute sicherlich die Worte fehlen. Ich werde bei dieser Beschreibung nicht den Gedanken los, als wären damals die „Coloreds“ mehr oder weniger wie Vieh betrachtet worden. Und das in einer der angeblich am weitesten entwickelten Demokratien der Welt! Schlimm, diese Blindheit und diese unglaublichen inneren Widersprüche. Man möchte meinen, man säße im falschen Film, wenn man bedenkt, dass diese Rassentrennung in Montgomery sich auch auf Schulen, Parkbänke und Aufzüge bezog. Wahnsinn! Wo sind die Tausenden von weißen bekennenden und frommen Christen?! Warum protestieren sie nicht gegen diese asozialen Schrecknisse? Oder fördern sie diese vielleicht noch? Die Hölle innerhalb der christlichen Kirchen kann verdammt heiß sein 🙂

Nun ist rein historisch nicht ganz klar, wohin im Bus sich Rosa Parks damals am 1. Dezember 1955 setzt. Einige nehmen an, dass sie sich bewusst ganz vorne in den Bereich nur für die Weißen platziert – um bewusst zu provozieren. Wahrscheinlicher aber ist, dass sie im mittleren Bereich Platz nimmt, aber nicht aufstehen will, als ein Weißer seinen ihm rechtlich zustehenden Sitzplatz einfordert. Rosa Parks engagiert sich zu diesem Zeitpunkt schon länger als Mitarbeiterin für die „National Association for the Advancement of Colored People“ (Nationale Organisation zur Förderung farbiger Menschen; NAACP). Nun hat sie wohl die Nase gestrichen voll von all dieser weißen unausstehlichen Arroganz – und bleibt sitzen. Der Busfahrer informiert prompt die Polizei. Und diese sorgt für die prompte Inhaftierung der mutigen Näherin.

Hättet ihr euch das auch getraut? Würdet ihr etwas machen, wofür euch ein Staat Gefängnis androht? Würdet ihr auch so Widerstand leisten gegen diskriminierende Staatsgesetze? Unter dem möglichen Verlust der eigenen Freiheit? Die damals 42-jährige Näherin Rosa Parks zeigt Zivilcourage – und bringt mit ihrer Tat eine Weltmacht in mächtige innerstaatliche Unruhe. Und sich selbst ins Gefängnis (wenn auch nur für kurze Zeit).

Nun kommt eine Kettenreaktion in Gang. Die angestaute Wut der Farbigen entlädt sich. Rosa Parks Zivilcourage löst heftige Proteste unter den Schwarzen in Montgomery aus. Martin Luther King wird im Rahmen der Mobilmachung zum Präsidenten der neu gegründeten sog. „Montgomery Improvement Association“ (MIA) gewählt. Die Bewegung erweist sich als erfolgreich: Schon ein Jahr später (1956) erklärt das oberste US-Gericht die Rassentrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln für verfassungswidrig. 1957 wechselt Rosa Parks nach Michigan. Ab 1965 wird sie dort für den demokratischen Abgeordneten John Conyers tätig. Dieser würdigt sie in einem späteren CNN-Interview als „die Mutter der Bürgerrechtsbewegung“ und als „Apostel der Gewaltfreiheit“. Immerhin: Auch der spätere (weiße) US-Präsident Bill Clinton ehrt sie 1996 als Politiker der Demokraten mit der Freiheitsmedaille. Zu diesem Zeitpunkt ist Rosa Parks schon 83 Jahre alt.

Am 24. Oktober 2005 verstirbt sie in Detroit im Alter von 92 Jahren. Ihr Leichnam wird nach Montgomery im Bundesstaat Alabama überführt. Dorthin, wo alles begann. Dort erweisen ihr tausende Menschen die letzte Ehre, darunter auch die damalige afroamerikanische US-Außenministerin Condoleezza Rice. Diese würdigt den Kampf der Bürgerrechtlerin als entscheidend auch für ihren eigenen Werdegang mit den Worten: „Ich kann ehrlich sagen, ohne Frau Parks stünde ich heute vermutlich nicht hier als Außenministerin“. Am 30. Oktober 2005 wird Rosa Parks als erste Frau in der Geschichte der USA im Kapitol von Washington aufgebahrt. Auch US-Präsident George Bush jun. höchst persönlich erweist ihr die letzte Ehre, dazu zahlreiche Kongressabgeordnete. Tausende Menschen säumen die Straßen der Hauptstadt, als der Leichenzug zum Kapitol vorfährt. Bush legt vor dem Sarg auch einen Kranz nieder. Zuvor hatte er bereits für den 2. November 2005 eine Halbmastbeflaggung für alle öffentlichen Gebäude angeordnet. An eben diesem Tag wird Parks in Detroit beigesetzt. Dort verbrachte sie die letzten Jahre ihres Lebens, und dort war sie auch aus diesem Leben geschieden.

Das ehrenwerte Gedenken an Rosa Parks seitens der US-Regierung lässt allerdings Fragen offen. Ist das ganze nicht nur eine trickreiche PR-Aktion gewesen? Ziemlich sicher. Solch eine günstige Gelegenheit, das eigene Image zu polieren und von Intrigen im eigenen Haus abzulenken (z.B. vom damaligen Rücktritt von Cheneys Stabschef Lewis Libby), lässt sich keiner so schnell entgehen. Das tragische: Selbst das womöglich nur künstlich inszenierte Gedenken an eine so tolle Frau ist von politischer Lüge und Intrigantrie umwoben.

Zum Schluss: Was kann ich heute von dieser berühmt gewordenen Näherin lernen? Zum Beispiel:
  • 1. Ich lasse mir nicht alles bieten.
  • 2. Ich bin kein Stück Vieh.
  • 3. Ich stehe nicht auf für einen dümmlichen und arroganten Kerl.
  • 4. Ich leiste zivilen Ungehorsam, wenn die staatlichen Gesetze ein Schlag ins Gesicht sind für faire Menschen.
  • 5. Wenn es sein muss, gehe ich dafür auch ins Gefängnis.
  • 6. Ich kämpfe für meine Würde – und für die Würde meiner würdigen Freunde.
  • 7. Ich fühle mich wohl in meiner Haut, wenn ich weiß, wofür ich kämpfe.

 Amen dazu!

 

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2 Antworten zu 5. Februar: Rosa Parks (1913-2005) – Eine Näherin leistet Widerstand!

  1. kathi84 schreibt:

    Wir müssen aufstehen, uns bewegen, nur dann können wir auch etwas bewegen und die Welt ein Stückchen gerechter machen. Meine Hochachtung vor dieser mutigen und bewundernswerten Frau, Rosa Parks!

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