Chance e.V. – Aufbruch zu neuen Ufern in Amazonien … (Teil 2)

Ein Aufbruch zu neuen Ufern in Amazonien ist bitter nötig. Gestern berichtete ich von der brandaktuellen Zerstörungskatastrophe in dem riesigen Regenwaldgebiet im Osten Perus. Diese hatte Jens Bergmann und seine Begleiter von Chance e.V. (Köln) bei ihrem dortigen Besuch schwer schockiert – und zwar so sehr, dass es ihnen schier die Sprache verschlug.

Folgende Frage ging mir seit gestern immer wieder durch den Kopf: Sind all die Tausenden von nicht registrierten Goldgräbern (die sog. „Informellen“) wirklich boshafte Menschen? Was geht in ihnen vor? Was hat sie motiviert, ihre Arbeit in den peruanischen Regenwäldern aufzunehmen? Sind es nur korrupte Kleinkriminelle? Oder kommen auch Männer (und Frauen) mit eher positiven Absichten zum Goldschürfen nach Amazonien? Eine gute Frage. Und es ist meines Erachtens sehr wichtig, auf diese Fragen ernste und aufrichtige Antworten zu finden. Denn es wäre wirklich nicht fair, alle diejenigen, die dort nach Gold graben, über einen Kamm zu scheren.

Nun, ich habe mir Gedanken gemacht und mich gefragt: Welche (positiven) sozialen und welche (negativen) asozialen Beweggründe könnte es überhaupt geben, an solch einer Umweltzerstörung teilzunehmen? Hier mein (vorläufiges) Ergebnis von heute:

Sieben soziale Motivationen, sich auf eine solche Goldgräbertätigkeit einzulassen:
  • 1. Die materielle Armut der eigenen Familie.
  • 2. Die eigene Arbeitslosigkeit – nirgendwo sonst ist eine vergleichbar bezahlte Tätigkeit zu finden.
  • 3. Der psychologische Druck, den Freunde oder Verwandte auf die nach Gold Grabenden ausüben.
  • 4. Die pure Lust, bei einem großen Abenteuer mit dabei zu sein.
  • 5. Das persönliche Interesse, ein neues Handwerk zu erlernen bzw. zu vervollkommnen.
  • 6. Der ehrliche Wunsch, das eigene Land wirtschaftlich zu fördern und neue Resourcen zu erschließen.
  • 7. Das aufrichtige Vertrauen gegenüber Bekannten, die einem allerdings absichtlich nicht die ganze Wahrheit gesagt haben.

Ganz sicher gibt es noch mehr als diese sieben sozialen Motivationen. Wenn jemand von euch noch eine weitere Idee haben sollte, dann schreibt mir einfach einen kurzen Kommentar und gebt mir diese Idee weiter. Das würde mich sehr freuen! Hier nun mein Ergebnis hinsichtlich der eher negativen Beweggründe:

Sieben asoziale Motivationen, sich auf eine solche zerstörerische Goldgräbertätigkeit einzulassen:
  • 1. Die bloße Gier nach persönlichem Profit.
  • 2. Die bewusste Beteiligung an kriminellen Machenschaften (Raubbau, Betrug, Korruption, Steuerhinterziehung etc.).
  • 3. Der hinterhältige Versuch, sich illegal fremdes Land anzueignen.
  • 4. Die bewusste Verantwortungslosigkeit, die Zerstörung von großen Naturgebieten billigend in Kauf zu nehmen.
  • 5. Die grobe Gedankenlosigkeit, die Vertreibung von ansässigen Dorfbewohnern indirekt zu begünstigen.
  • 6. Das schlimme Einvernehmen, die Vergiftung von Fluss- und Trinkwasser mit Quecksilber mitzuverantworten.
  • 7. Die peinliche Faulheit, sich nicht für den Schutz des Regenwaldes zu engagieren bzw. sich zumindest an der Renaturierung des zerstörten Regenwaldes zu beteiligen.

Auch hier wird es noch zusätzliche Motivationen geben. Ich freue mich über eure Beiträge und euer Mitdenken! Mit der Differenzierung potentieller Motivationen der besagten peruanischen Goldgräber wird besonders eines ersichtlich: Wir dürfen hier wahrscheinlich nicht einfach ’schwarz/weiß‘ denken. Nicht jeder der Arbeiter in den vielen Schürfgebieten wird ein gedankenloser Bösewicht sein. Es mag auch eine gute Anzahl von Peruanern geben, die dort einfach nur ihren nötigen Lebensunterhalt verdienen möchten. Vielleicht leiden sie selbst schwer unter der Art und Weise, wie dort mit ihrem Heimatland umgegangen wird. Aber sie wissen sich nicht anders zu helfen. Sie können den groß agierenden Goldgräberbossen nicht wirklich Wesentliches entgegensetzen. Gleichzeitig sind sie auf ihren Verdienst angewiesen und wollen nicht einfach das Weite suchen. So verzwackt und vertrackt sind oftmals die kleinen und großen gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten in unserer Welt. Das macht es uns auch so schwer, die rechten und neuen Wege zu finden – für eine angenehmere Kombination von Wohlstand, Naturschutz und gesellschaftlicher Solidarität.

Was aber könnte uns helfen in solchen prekären gesellschaftlichen Notständen? Hm, gar nicht so leicht. Aber hier mal ein vorläufiges Angebot ‚aus dem Bauch‘ von meiner Seite:

Sieben Handlungsanweisungen, die mir (aus der Ferne) für Amazonien hoffnungsvoll erscheinen:
  • 1. Einheimische ausfindig machen, die von einem echten Neuanfang träumen.
  • 2. Geldgeber im In- und Ausland suchen, die solch einen Neufang mitfinanzieren möchten.
  • 3. Interessierten Goldgräbern das bahnbrechende Angebot machen, für ein faires Gehalt umzusatteln und engagierte Ökomitarbeiter zu werden.
  • 4. Neue ‚Oasen der Hoffnung‘ schaffen – in Zusammenarbeit ehemaliger Goldgräber mit Ortsansässigen.
  • 5. Mit den ersten Ergebnissen Werbung im In- und Ausland machen und weitere herzhafte Sponsoren finden.
  • 6. In diesen ‚Oasen der Hoffnung‘ naturfreundliche Unternehmen ansiedeln (z.B. Genossenschaften).
  • 7. Einen Teil der Erträge in die Wiederaufforstung des Regenwaldes und in monatlich stattfindende bunte, große Regenwaldfeste investieren 🙂

Wie gesagt: Das ist alles nur aus dem Bauch herausgeschrieben. Aber es könnte ein Weg sein. Die ersten Schritte sind Jens Bergmann und sein Team von Chance e.V. schon gegangen (vgl. das Ende meines gestrigen Artikels). Möge ihnen der Mut nicht verloren gehen. Vieles beginnt einmal klein. Aber wer dran bleibt, darf größeres erwarten.

Hinweisen möchte ich an dieser Stelle noch auf meinen Blog-Beitrag vom 3. Januar 2014 („Unser Planet ist ein Wunder“). Hier geht es zwar nicht um Peru, sondern um das Maya-Land Yucatán im heutigen Mexiko. Aber auch hier schreibe ich davon, wie bewunders- und bewahrenswert mir doch das Leben auf unserem Planeten erscheint.

PS. Wer gerne praktisch helfen möchte:

Wäre das vielleicht auch etwas für Dich? Ein Startschuss für Dich ganz persönlich? Ein ganz praktischer Aufbruch zu neuen Ufern? Zu gelebtem Widerstand gegen Ignoranz, Gier und Dummheit? Für Licht am Horizont in einem fernen Amazonas-Tal? Wenn ja, dann sei dabei. Gerne darfst Du Dich an Chance e.V. direkt wenden (www.chance-international.org) oder auch über die Encourager-Stiftung spenden (www.encourager-stiftung.de). Wir von der Encourager-Stiftung leiten die Spenden zu 100 % an Chance e.V. weiter. Hier unsere Bankverbindung:

Unsere Bankverbindung (SEPA): Deutschland + International
  • Encourager-Stiftung
  • SKB Bad Homburg (Deutschland)
  • BIC: GENODE 51BH2
  • IBAN: DE44 5009 2100 0001 3111 31
  • Verwendungszweck: “Spende Amazonien“
Unsere Bankverbindung: Deutschland (noch bis 2016)
  • Encourager-Stiftung
  • SKB Bad Homburg – BLZ 500 921 00 – Kto. 13 111 31
  • Verwendungszweck: “Spende Amazonien“

Vielen Dank! Und viel Mut uns allen!

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Eine Antwort zu Chance e.V. – Aufbruch zu neuen Ufern in Amazonien … (Teil 2)

  1. mwehrstedt schreibt:

    Hat dies auf Encourager-Stiftung rebloggt und kommentierte:

    Goldgräber zerstören großflächig die Regenwälder Amazoniens. Welche sozialen bzw. weniger sozialen Motive könnten sie haben?

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