23. Januar: Chance e.V. – Aufbruch zu neuen Ufern in Amazonien … (Teil 1)

Heute muss ich euch von einer sehr traurigen Angelegenheit berichten. Sie geht mir echt zu Herzen. Gerade erreichte mich die alarmierende Nachricht eines Freundes: Goldgräber sind in Amazonien, in den Regenwäldern Perus unterwegs! Gestern lautete mein Thema: „Ich will mich gerne an meine eigenen Schwächen erinnern“. Ja, es ist gut und sinnvoll, zuerst nach den ‚blinden Flecken‘ im eigenen Leben zu suchen. Denn niemand von uns ist vollkommen. Aber dann dürfen und müssen wir uns auch mit den Schwächen, Fehlern und Verbrechen anderer auseinandersetzen. Ich denke, wir tragen alle eine gewisse Verantwortung innerhalb unserer Weltgemeinschaft. Wo kriminelle Energie ihr Unwesen treibt, da dürfen wir nicht schweigen.

Amazonien – eigentlich ein Naturparadies! Bis heute auch immer noch ein großer Teil der Lunge unseres Planeten. Hier wird wohl der meiste Sauerstoff für unsere Atmosphäre und also auch für uns produziert. Die Artenvielfalt ist atemberaubend. Jens Bergmann, Mitbegründer und Leiter des gemeinnützigen Vereins Chance e.V. mit Sitz in Köln (www.chance-international.org), hat diesen Teil der Erde einmal vor Jahren so kennengelernt:

Üppige Regenwälder, die von in der Sonne glitzernden, sich durch das endlose Grün dahin schlängelnden Flüssen durchzogen werden; majestätische, bunte Aras, die paarweise oder in kleinen Gruppen laut schreiend über die Wipfel fliegen; die lauten Rufe der Brüllaffen und Riesenfrösche, die durch die dunklen Wälder hallen; Jaguarspuren im Schlamm; spielende Flussdelphine und behäbige Seekühe in den Flüssen – so stellen wir uns Amazonien vor und so habe ich diese wunderschöne Region immer wieder erlebt.(http://chance-international.org/Chance_D/Chance-Schock%20im%20Regenwald.html)

So beschreibt Jens Bergmann das östliche Regenwaldgebiet Perus, das an das benachbarte Brasilien grenzt. Er beschreibt es jedenfalls so, wie er es bisher in Erinnerung hatte. Doch dieser Zustand gehört wohl der Vergangenheit an. Der Schock sitzt tief. Er berichtet:

Doch was ich bei meinem letzten Besuch im Amazonasbecken im November 2013 vorfand, war so schockierend, dass es mir im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache verschlug. Ich erlebte einen der ganz wenigen Momente der letzten zehn Jahre, an dem ich mit Resignation und Frust kämpfen musste, so dass ich erst jetzt davon berichten kann und möchte.“

Ich kenne Jens persönlich. Und ich weiß, dass ihn so schnell nichts aus der Fassung bringt. Aber wenn er solche drastischen Worte verwendet, dann muss er wirklich schreckliche Dinge gesehen haben. Was war geschehen? Er schreibt:

Schon aus dem Flugzeug sah ich bis an den Horizont überall in den Regenwäldern weiße Flächen, manche klein, andere 30 km lang und mehrere Kilometer breit. „Was ist denn das?“ – fragte ich meine peruanischen Begleiter. „Das ist das Werk der ‚Informellen,‘“ erklärten diese mir. So bezeichnet man in Peru nicht registrierte Goldgräber, von denen viele aus dem halbkriminellen Milieu der Millionenmetropole Lima stammen. Zehntausende dieser zwielichtigen Glücksritter sind in den letzten Jahren wie plündernde Heuschrecken, von einem fieberhaften Goldrausch erfasst, über Teile Amazoniens hergefallen, um schnellen Reichtum zu finden. Wo sie auftauchen, bleibt nach einem oder zwei Jahren von dem ursprünglichen Regenwald mit seinem unübertroffenen Artenreichtum nur noch eine quecksilberverseuchte Wüste weißen Sandes, auf der auf lange Sicht wohl kaum wieder etwas wachsen wird.“

Unglaublich! „Zwielichtige Glücksritter“ aus einem „halbkriminellen Milieu“ verwüsten die Lunge unseres Planeten! Damit verwüsten sie uns selbst und zerstören mutmillig unsere gemeinsame Lebensgrundlage. Wie aber gehen diese Gestalten vor? Welche Verbrechen tun sie den Regenwäldern an? Jens Bergmann:

Wie in einem Rausch unkoordinierter Gier und Zerstörung durchpflügen sie ein Gebiet nach dem anderen mit Maschinen, die dank eines neuen Freihandelsabkommens tausendfach zu Spottpreisen aus China importiert werden. Die ehemals blühende Landschaft sieht aus wie nach einem Bombenkrieg, der augenscheinlich gegen das Leben und die Schöpfung selbst geführt wird. Man fragt sich, ob hier jemals wieder Leben möglich sein kann. Der Wald wird achtlos verbrannt oder plattgewalzt, ohne wenigstens das Holz vorher noch zu ernten. Straßen entstehen, wo vor Monaten noch intakte Natur war. Auf ihnen kommen dann auch noch arme Bauern aus den Anden auf der Suche nach Land. Regierungsbeamte ermutigen sie, den restlichen Wald schnell zu roden und niederzubrennen, da nur diejenigen ein Eigentumsrecht gültig machen können, die das Land für kurzfristigen Profit urbar machen, anstatt es langfristig und schonend zu bewirtschaften. Im Nu entstehen mitten im Nirgendwo wie im Rausch abertausende aus irgendwelchen Brettern und Plastikfolien behelfsmäßig zusammengehämmerte Behausungen. Die neuen Siedlungen erinnern an den gesetzlosen Wilden Westen oder mittelalterliche Armenviertel, auf deren engen, schmutzigen Gassen Goldhändler und Prostituierte das Bild bestimmen.“

Das muss man wohl mit den eigenen Augen gesehen haben! „Wie in einem Rausch unkoordinierter Gier und Zerstörung“ geht die Goldgräberei vonstatten. Was lässt so viele Menschen auf einmal dermaßen rücksichtslos agieren?! Ohne Gefühl und ohne Verstand für das Lebendige, für Bäume, für Tiere, für das ökologische Gleichgewicht. Ohne Feingefühl. Ohne Empfinden. Roboterartige Wesen, denen man die Herzen amputiert hat. Nur Feingefühl für den persönlichen Profit – und hier scheint das Feingefühl extrem ausgeprägt zu sein. Alles wird verschlammt, verdreckt, verpestet und vergiftet. Und der Industrie-Tross zieht schnell nach und wittert große Beute:

An manchen Schlammstraßen, die erst vor wenigen Monaten gewaltsam wie offene Wunden durch den Wald getrieben wurden, schießen riesige Tankstellen mit Flutlicht und 24-Stunden-Service wie Pilze aus dem Boden, weil die lärmenden Maschinen der Goldgräber tausendfach bei Tag und bei Nacht betrieben werden. Auf der Suche nach Gold wird der Boden metertief mit Hochdruckpumpen durchspült und gesiebt. Ganze Flüsse, von denen die meisten mittlerweile lehmrot gefärbt sind, werden umgeleitet. Dann werden Sand und Gold mit Hilfe von Quecksilber in großen Becken voneinander getrennt und beim nächsten Regen ergießt sich dieses giftige Gebräu in die Flüsse, die Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgen. Manche Flüsse sind schon jetzt so verseucht, dass vom Aussterben bedrohte Tiere wie Riesenotter oder Flussdelphine längst verschwunden sind. Das Grundnahrungsmittel Fisch ist mancherorts zu einem unkalkulierbaren Gesundheitsrisiko geworden, welches die oft ahnungslose indianische Urbevölkerung, die längst zur kleinen Minderheit im eigenen Land geworden ist, immer kränker werden lässt. Was bleibt ist giftiger Schlamm und unfruchtbarer Sand, Elendsviertel voller Müll und tote Bäume, auf deren abgestorbenen Ästen schwarze Geier sitzen. Die Goldgräberbosse hingegen sitzen in schicken Häusern in Lima, sie zahlen keine Steuern und kaufen jeden, der sich ihnen zu widersetzen versucht. Ihre eigenen Kinder ahnen nichts von der Tragödie, die sich jeden Tag auf der anderen Seite der Anden wiederholt und in die große Teile der Gesellschaft verstrickt sind: landlose Bauern, skrupellose Geschäftemacher, Glücksritter und korrupte Vertreter der Staatsmacht.“

Was bleibt, ist Dreck, Gift und Elend. Aber diese „Goldgräberbosse“ sitzen munter in ihren sauberen, aufgeräumten und luxuriösen Privatparadiesen. Jens Bergmann fragt sich:

Natürlich muss auch ein Land wie Peru seine natürlichen Ressourcen nutzen. Doch als wir mit Tränen des Entsetzens in den Augen sprachlos stundenlang durch diese fast apokalyptisch anmutende Landschaft fuhren, fragten wir uns, warum so genannte Entwicklung auch heute häufig noch so wenig nachhaltig, so chaotisch und planlos sein muss und am Ende einigen wenigen nützt, zahllosen anderen Menschen und ihren Kindern aber schadet. In den letzten zehn Jahren habe ich in Peru und Kenia zweifellos viel Not und Elend gesehen, doch was ich im November in Amazonien erlebte, übertrifft alles an Dimension und Sinnlosigkeit. Der Patient Peru ist krank. In Amazonien breiten sich Goldschürfgebiete, Ölförderanlagen, Palmplantagen und Brandrodungen krebsartig immer weiter aus, machen einige reicher und viele ärmer.“

Der Schaden, der hier angerichtet wird auf Jahrzehnte hinweg, ist unermesslich. Aber Jens Bergmann möchte gerne mit seinem Team in Peru handeln und auch hier neue Akzente der Hoffnung setzen:

In Anbetracht so großer Probleme ist es unsere Aufgabe, gerade hier Gottes Liebe durch konkrete nachhaltige Projekte praktisch erfahrbar zu machen. Ich glaube deshalb fest, dass es auch für die Menschen in Amazonien Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben gibt – und dieses wollen wir in den nächsten Jahren aktiv mitgestalten!“

Das Chance-Team will praktisch helfen und konnte sogar schon eine Gruppe von Dörfern im dortigen Amazonien ausfindig machen. Hier wollen sie beginnen. Hier wollen sie eine Oase der Hoffnung inmitten dieser verbrecherischen Zerstörung schaffen:

Auf der Suche nach einer Gegend Amazoniens, wo sinnvolle Projekte noch möglich sind, lernten wir das Aspusana-Tal, nur wenige Stunden von der Stadt Huánuco entfernt, kennen. Hier fanden wir 13 Dörfer, deren Bevölkerung zwar in extremer Not lebt, sich aber für den Weg einer schonenden Entwicklung entschieden hat und ihre Heimat sowie die Zukunft ihrer Kinder vor der Gier skrupelloser Geschäftemacher bewahren möchte. Dabei wollen wir ihnen zur Seite stehen und sie so in ihrem Alltag und ihrem Glauben ermutigen! Die ersten Notprojekte haben bereits begonnen und demnächst werden wir mehr davon berichten.“

Praktisch helfen können auch wir. Denn der Startschuss ist gefallen! Zuerst werden Paten für dortige Dschungelkinder gesucht:

Doch können wir alle schon jetzt helfen, denn als ersten Schritt suchen wir ab sofort so viele Menschen wie möglich, die die Dschungelkinder aus dem Aspusana-Tal als Paten begleiten möchten. Einen Steckbrief, um die neuen Patenkinder vorzustellen, gibt es noch nicht, weil dieses Projekt noch so neu ist, wir aber so schnell und unbürokratisch wie möglich helfen wollen. Wenn Sie aber Interesse an einer Kinderpatenschaft in Amazonien haben oder jemanden kennen, der gern Pate oder Patin werden möchte, sprechen Sie uns an. Denn nur Familien, die ein Auskommen haben, können auf Dauer in Würde leben und verantwortungsbewusste Verwalter der Schöpfung sein.“

Wäre das vielleicht auch etwas für Dich? Ein Startschuss für Dich ganz persönlich? Ein ganz praktischer Aufbruch zu neuen Ufern? Zu gelebtem Widerstand gegen Ignoranz, Gier und Dummheit? Für Licht am Horizont in einem fernen Amazonas-Tal? Wenn ja, dann sei dabei. Gerne darfst Du Dich an Chance e.V. direkt wenden (www.chance-international.org) oder auch über die Encourager-Stiftung spenden (www.encourager-stiftung.de). Wir von der Encourager-Stiftung leiten die Spenden zu 100 % an Chance e.V. weiter. Hier unsere Bankverbindung:

Unsere Bankverbindung (SEPA): Deutschland + International
  • Encourager-Stiftung
  • SKB Bad Homburg (Deutschland)
  • BIC: GENODE 51BH2
  • IBAN: DE44 5009 2100 0001 3111 31
  • Verwendungszweck: „Spende Amazonien“
Unsere Bankverbindung: Deutschland (noch bis 2016)
  • Encourager-Stiftung
  • SKB Bad Homburg – BLZ 500 921 00 – Kto. 13 111 31
  • Verwendungszweck: „Spende Amazonien“

Vielen Dank! Und viel Mut uns allen!

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3 Antworten zu 23. Januar: Chance e.V. – Aufbruch zu neuen Ufern in Amazonien … (Teil 1)

  1. chanceaktuell schreibt:

    Danke Markus, für deine Verbundenheit!

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