Die Nerven liegen blank an einer Discounterkasse …

Es ist unglaublich! Kennt ihr das? Ihr wartet in einer langen Schlange an der Kasse eines Discounters. Doch nichts bewegt sich. Irgendwo klemmt es da vorne. Aber was ist wieder passiert? Ihr glaubt es nicht. Aber man erlebt die verrücktesten Sachen an so einer Discounterkasse. Was war geschehen?

Eine sehr wohlgenährte junge Frau mit Kinderwagen (mit Kind – es sind heutzutage auch wohlgenährte junge Frauen mit Kinderwagen ohne Kind unterwegs) steht der Kassiererin gegenüber und will ihre sieben Sachen bezahlen. Die Kassiererin nennt ihr die Summe. Nun beginnt die Kundin in ihrem Portmonnaie zu kramen. Dieser Vorgang dauert bei einigermaßen gesunden Menschen, die ein bisschen ‚auf Zack‘ sind, ca. fünf Sekunden. Dann sind die passenden Scheine oder Münzen gefunden. Doch diese Kundin gehört anscheinend nicht zu dieser Gruppe. Sie kramt … und kramt … und kramt nochmal … und kramt wieder … und beginnt von neuem zu kramen. Die Kunden hinter ihr fangen langsam an, rot anzulaufen. Man fühlt hier richtig, wie die Blutdrucke massiv ansteigen. Und das sogar leicht hörbar. Aber das scheint die wohlgenährte junge Dame ganz und gar nicht aus der Fassung zu bringen. In Ruhe kramt sie weiter – um zu entdecken (ja, ich hatte es schon geahnt!), dass sie zu wenig Geld bei sich hat. Oh Mann!!!

Was dann passiert, lässt auch meinen Blutdruck auf gefühlte 120 zu 220 rapide ansteigen. Die junge Dame möchte auf eines ihrer sieben Produkte verzichten, um dann die anderen sechs bezahlen zu können. Aber halt! So einfach geht das nicht. Denn alle ihre sieben Sachen sind bereits sorgfältig von der Kassierin eingescannt worden und klemmen nun in der Elektronik des Discounters fest. Eine Stornierung wird fällig. Was bei Aldi eine Sache von ca. sieben Sekunden wäre, wird in diesem Discounter zur Hölle (ich will hier keine Namen nennen, nur so viel: Der erste Buchstabe ist ein „N“ und der letzte ein „o“). Denn das junge Ding da an der Kasse darf noch nicht alleine stornieren!! Dazu befugt ist allein die Filialleiterin – hört, hört! Also wird nun die Filialleiterin von der Kasse aus angerufen. Es bimmelt und bimmelt, aber keiner geht dran. „Tja“, meint die Kleine, „da kann man nichts machen“. Die Schlange ist bereits so ellenlang, dass das Ende derselben von meinem Standpunkt aus nicht mehr sichtbar ist (es müsste sich etwa hinten bei der Leerflaschenannahme befinden). Noch kommt es zu keinen Tumulten. Aber die Luft brennt.

Nach einigen dutzend Anrufversuchen erscheint endlich – wohlgelaunt und ausgeglichen – die herbeigesehnte Leiterin dieser Filiale. Ganz nach dem Knoppers-Motto: „Wenn die Schere nicht klappert, dann ist halb zehn in Deutschland“ und „in der Ruhe liegt die Kraft“ (http://www.youtube.com/watch?v=3X_oGEvldjY). Nur: Es ist nicht halb zehn in Deutschland, sondern gleich fünf vor zwölf! Völlig seelenruhig fragt sie – im Angesicht einer Schlange von unendlichen Weiten: „Na, gibt es ein Problem?“ Hä???? Ein (!) Problem??? Es gibt hier meines Erachtens gleich 1000 Probleme, wenn diese olle Tante nicht endlich mal in die Pötte kommt! Wieder in aller Seelenruhe wird das eine Prodüktchen storniert. Endlich kann die Wohlernährte ordnungsgemäß bezahlen. Es kann also endlich weitergehen. Puh!

Gleich hab ich es geschafft. Die nächste an der Reihe ist eine junge deutsche Studentin. Sie hat nur drei Kleinigkeiten besorgt. Das müsste schnell gehen. Die Kassiererin scannt alles ab und nennt den Preis. Wieder beginnt ein langanhaltendes Kramen im Portmonnaie. Mein Gottttttt! Diese olle Kuh hatte geschlagene zehn Minuten Zeit, schon mal ihr Geld parat zu halten. Aber erst jetzt beginnt auch diese Verrückte mit dem Zählen! Und das Ergebnis (als wenn ich es wieder geahnt hätte!!): Auch sie hat nicht genügend Bargeld bei sich – und keine Karte!!!!!!!!!!!! Ich kann es nicht fassen. Die Filialleiterin ist natürlich schon längst wieder über alle Berge. Wieder muss sie angeklingelt werden! Und wieder ist lange Zeit keine Spur von ihr zu sehen. Die Schlange müsste jetzt so lange sein, dass die Kunden am anderen Ende der Filiale schon übereinander liegen. Totenstille. Nichts bewegt sich mehr. Siesta. Schließlich erbarmt sich die geehrte Chefin doch noch und storniert wiederum eines der drei Teile (es war wohl ein Sahnejoghurt mit Pfirsichgeschmack) – und endlich kann es weitergehen! Alle atmen auf.

Nun bin ich an der Reihe. Mein Einkauf ist schnell abgerechnet. Jetzt noch bezahlen. Ich will mein Portmonnaie aus der Hosentasche ziehen – Scheibenkleister! Ich hab mein Geld zuhause vergessen!!!! Ahhhhhhhhhh!

Nein, das Ende ist nur ausgedacht. Natürlich (natürlich!) hatte ich mein Portmonnaie dabei. Und natürlich konnte ich alles sehr flott bezahlen. Aber auch mir hätte ein Fauxpas wie meinen beiden Vorgängerinnen passieren können. Ich möchte ja auch meistens gerne nachsichtig sein. Aber nicht wenige meiner Zeitgenossinnen und Zeitgenossen stellen sich dermaßen schlaftablettenmäßig an, dass ich manchmal Wutanfälle bekommen könnte. Sie vergessen ihr Geld, rechnen nicht mit, suchen erst dann nach ihrem Geld, nachdem sie Jahrhunderte dazu Zeit gehabt hätten, starren wie doofe Ochsen in die Gegend und kriegen einfach ihren A….. nicht hoch. Man! Woran kann das nur liegen??? Bin ich mittlerweile von einem riesigen Haufen an dämlichen Deppen umgeben, für die Mitdenken eine Höchstleistung bedeutet??? Nur ein Funken an ‚Mitdenken‘!! Das würde schon reichen.

Hier sieben mögliche Gründe, warum Leute heutzutage so trantütig durch die Gegend laufen:
  • 1. Sie sind gerade aufgestanden, haben 15 ½ Stunden am Stück geschlafen und sind deshalb noch ziemlich benebelt.
  • 2. Sie sind alle ADHS-Patienten und schlucken alle zwei Stunden jeweils drei Beruhigungstabletten.
  • 3. Sie haben noch 2,5 Promille Alkohol im Blut von der letzten Partynacht.
  • 4. Sie befinden sich in Gedanken noch bei ihrem letzten Schweinebraten und ihren sieben Tüten Paprika-Chips.
  • 5. Sie kommen gerade aus Holland und haben viel Wiesen (bzw. Gras) gesehen.
  • 6. Sie sinnieren über das abendliche Dschungelcamp, wo sie wieder Maden, Würmer und Spinnen zählen konnten.
  • 7. Sie denken an ihren Partner und gähnen bei diesem Gedanken vor Leere und Müdigkeit.

Solche lahmen Trantüten vergiften unsere Gesellschaft. Deswegen heute wieder:

Sieben Weisheiten für den Tag:
  • 1. Aufstehen, Kollege! Der Tag ist kostbar. Du kannst was bewegen, Mann!
  • 2. Verzichte auf Deine Beruhigungspillen, sondern trink mal ein Glas Vitaminsaft. Und dann geht die Post ab.
  • 3. Schmeiß‘ Deinen Wodka in den Müll. Die Welt braucht Dich nüchtern. Du bist gefragt.
  • 4. Lass das mal mit dem Schweinebraten. Gönn‘ Dir mal einen Obstsalat oder eine Gemüsepfanne. Dein Körper wird es Dir danken. Auch auf Dauer. Man, es ist DEIN Körper! Verhunze ihn nicht.
  • 5. Du brauchst kein Gras, um träumen zu können. Denke an die Visionen, die Du mal hattest. Es gibt sie noch.
  • 6. Mach‘ die dämliche Flimmerkiste aus. Lass die Affen Affen sein. Du aber stehe treu zu Deinen Freunden.
  • 7. Behandle Deinen Partner aufmerksam. Schau, was ihm fehlt. Dann helfe ihm praktisch und nimm ihn in den Arm.

Mann! Sei auf ‚Zack‘! Bewege was. Zeige, dass es Dich noch gibt, Mann!

© Encourager68 (2014)


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13 Antworten zu Die Nerven liegen blank an einer Discounterkasse …

  1. kathi84 schreibt:

    Ich musste schmunzeln, als ich den Beitrag las. Es gibt Menschen, die mit dem Ablegen ihrer Ware auf dem Band innerlich bereits mit dem Einkauf abgeschlossen haben. Da kommt der Bezahlvorgang dann doch recht plötzlich und unverhofft!

    • mwehrstedt schreibt:

      Hey danke, kathi, für Deine Rückmeldung! Ja, manche Kunden wirken wirklich etwas schläfrig an den Discounter-Kassen dieser Welt. Aber vielleicht steckt der eine oder die andere auch in einer echten Lebenskrise – und ist deswegen so abwesend, hm. Habe mir eben Deinen Blog „hierreistkathi.wordpress.com“ angesehen. Mensch, echt toll, dass Du nach all den Trennungen im letzten Jahr eine ‚Expeditionsreise ins neue Glück‘ unternehmen willst. Dafür wünsche ich Dir wirklich viel Mut und alles Gute 🙂

      • kathi84 schreibt:

        Ein herzliches Dankeschön für Deine Motivation. Ich finde die Grundidee Deines Blogs wirklich toll, und die Umsetzung einfach nur großartig. Man merkt, dass Du eine sehr feine Beobachtungsgabe hast und schreibst sehr leicht, lustig und doch regt es zum Nachdenken an. Klasse! Ich freue mich, mehr von Dir zu lesen.

  2. Gnihihi, der Inhalt Deines Beitrags kommt mir in ähnlicher Form seeehr bekannt vor. Man steht ja prinzipiell immer in der Schlange, wo es am längsten dauert.
    Das hatte ich übrigens gestern erst wieder….ständig Kartenzahlung (dauert auch eine Weile) und eine Kassiererin mit einer Seelenruhe, die sich noch für eine halbe Minute (mal kurz zwischendurch wäre ja ok gewesen) einen ausgiebigen Schluck aus der Saftpulle gönnte….obwohl der Laden brummte und die Leute sich an den Kassen die Beine in den Bauch standen. Ein anderer Kunde, der zunächst hinter mir gestanden und seine Einkäufe nicht schon auf dem Band verteilt hatte, war längst über alle Berge, als ich dann mal endlich vorne anlangte.
    Herrlich.

    Dein fiktives Ende ist aber gar nicht so schlecht gedacht! In der Zeit regt man sich über die lahmen Schnecken auf oder guckt genervt in der Weltgeschichte herum, während man deutlich hörbar die Luft ausstößt, um seinen Verdruss auch allen zur Kenntnis zu geben. Dabei hätte man selbst schon einmal Gelegenheit gehabt, einen kleinen, kontrollierenden Seitenblick in die Geldbörse zu wagen.
    Aber es ist ja wissenschaftlich bewiesen, dass man in einer Stresssituation (und das ist Stress….wenn man nicht in den Tag träumt und alles gottgegeben an sich abprallen lässt) nicht mehr rational denken kann.
    Wir können also gar nichts dafür. (-:

    • mwehrstedt schreibt:

      Richtig, der stressige Ärger bzw. der ärgerliche Stress ist auch bei mir schnell an einer Discounter-Kasse da. Aber heute Abend ging es gut. Das Lauftraining davor hat mich beruhigt und besänftigt. War also mal alles ganz cool. Auch eine tolle Erfahrung 🙂

      • Wo überschüssige Kräfte walten….da ist der Sport (aber auch andere, kreative Beschäftigungen) ein probates Mittel, um diese in gelenkte Bahnen zu führen….das ist auch an der Kasse hilfreich, wie man sieht. Weiter so! (-:

      • mwehrstedt schreibt:

        Ja, und wenn es sogar ein ganzer Marathon sein muss. Nichts geht über eine ausgeglichene und beruhigende Seele 🙂

      • Oh, ja! Ausgeglichenheit suche ich bei mir manchmal auch vergeblich….verschiedene Umstände haben mich in bestimmten Punkten recht dünnhäutig gemacht.

        Einen abhelfenden Marathon schaff ich wohl eher nicht. Bin eher der Wander- und Radfahrtyp….da kann ich gut abschalten….wenn nicht gerade mal wieder einer vor mir ein „Tänzchen“ aufführt….siehe Blog-Einträge.^^
        Aber dann kann ich immer noch darüber schreiben und somit meine Seele von aufkeimenden bösen Gedanken bereinigen. (Amen.) (-:

      • mwehrstedt schreibt:

        Klar, Schreiben ist natürlich auch eine hervorragende Methode, um überflüssigen Ärger abzubauen und positiv zu verarbeiten. Sollte eigentlich von den Krankenkassen als Therapiemöglichkeit angeboten und bezahlt werden 🙂

      • Dann stell mal bitte einen Antrag…meine Unterschrift hättest Du sicher!
        Schreiben über Dinge, die einen bewegen, ist ja fast so hilfreich wie das darüber Reden…nur stiller.

        (-;

      • mwehrstedt schreibt:

        Stiller – und nicht selten auch intensiver …
        Wenn das nächste Mal mein Blutdruck auf 180 hochschnellt, stelle ich einen Antrag auf eine 4-wöchige Blogger-Kur. Dann können wir ja zusammen in die Reha 🙂

      • Naja, so schlimm ist es ja auch nicht…

        Ich darf mich eigentlich nicht beschweren, auch wenn es gerade viel um die Ohren gibt (ich fürchte, dass mein Blog eine Weile mit knurrendem Magen ausharren muss).

        Es gibt nun aber Dinge, die ich nicht einfach so an mir abperlen lassen kann und oft auch gar nicht will.

        Ungerechtigkeiten sind zum Beispiel ein Punkt, oder wenn andere Leute mit minimalem Aufwand, aber einem fast unnormalen Glück, schneller ans Ziel kommen, als jene, die sich sprichwörtlich den Hintern aufreißen und als Dank dafür noch einen Ar***tritt ernten. Das hat dann auch nicht zwingend etwas mit Neid oder Missgunst zu tun, sondern zeigt ein hilfloses Unverständnis darüber auf, warum es bei manchen immer widerstandslos flutscht und bei anderen nicht. Was machen sie anders?

        Aber zum Glück wird jeder mal am Drücker sitzen können! Daran glaube ich im Stillen.
        Und wenn nicht…dann treffen wir uns zur Intensiv-Bloggerkur.

        So, bis demnächst….muss ein paar wichtige Knöpfe drücken! (-;

      • mwehrstedt schreibt:

        Ja, es gibt noch viel zu Erforschen in Sachen ‚Psychologie‘ und ‚mitmenschlichem Verhalten‘.
        Dann drücke mal ein paar wichtige Knöpfe. Ich werde das auch gleich wieder im Büro tun. Einen schönen Tag Dir! 🙂

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