9. Januar: Unserer Phantasie freien Lauf lassen …

Es ist verrückt, was sich Menschen auf unserem Planeten schon alles so ausgedacht haben. Ein walisischer Schuhmacher z.B. hatte im 19. Jahrhundert eine grandiose Idee. Ihm war es total wichtig, dass sein kleines Dorf im Süden der Insel Angelsey einen eigenen Bahnhof erhielt und damit direkten Anschluss an die Bahnstrecke London–Manchester–Holyhead. Er hoffte auf günstigere Handelsmöglichkeiten und damit wohl auf bessere Lebensbedingungen für sich und seine Dorfbewohner. Wie konnte er aber die damaligen verantwortlichen Politiker für den Bau eines Bahnhofes gewinnen? Der Schuhmacher war nicht dumm. Er setzte sich einfach dafür ein, seinem Dorf Llanfair einen neuen und gut überschaubaren Namen zu geben, und zwar:

Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch !!!

Klar, dass die Dorfgemeinschaft von seiner Idee sofort begeistert war! Die Namensänderung wurde vorgenommen. Und wie kam er auf diesen walisischen Namen? Einfach so: Indem er die genaue Ortslage des Dorfes auf walisisch in wunderschön poetische Worte fasste, und zwar:

Marienkirche (Llanfair) in einer Mulde (pwll) weißer Haseln (gwyn gyll) in der Nähe (ger) eines schnellen Wirbels (chwyrn drobwll) und der Thysiliokirche (llantysilio) bei der roten Höhle (ogo goch).“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Llanfair)

Wow! Ist das nicht wunderschön! Zwar lässt sich das walisische Wortungetüm so gut wie gar nicht aussprechen (der Dorfname ist bis heute mit seinen 58 Buchstaben der längste amtliche Ortsname Europas). Aber der Inhalt – ist er nicht bezaubernd? Das ist ungefähr so, als würde ich meinen nordhessischen Heimatort Waldeck wie folgt umbenennen:

Schloss Waldeck auf einem Hügel, umringt von Eichen, oberhalb eines tiefen Sees, in der Nähe der „Sechs Buchen“, nicht weit von Hexenkopf und Hammerbergspitze.“ (… und jetzt das ganze auf waldecksch 🙂 )

Dem walisischen Schuhmacher sollte nachträglich ein Dichterpreis verliehen werden. Auch die zuständigen Politiker und Eisenbahndirektoren waren wohl dermaßen von diesem Namen angetan, dass sie dort tatsächlich einen viktorianischen Bahnhof eröffneten. Die Bahnstrecke durfte an einem Dorf mit solch einem wundersamen Namen natürlich nicht vorbeiführen. Sicherlich freuten sich nicht alle über diese Änderung. Man denke nur an all die Rundbriefschreiber, die für den Absender noch keinen Stempel besaßen 🙂 So aber wurde dieses kleine Dorf zum berühmtesten in ganz Wales.

Das mag auch uns heute Mut machen, unseren kreativen, poetischen, verrückten, witzigen und ausgefallenen Gedanken viel, viel Raum zu geben. Uns ist Phantasie geschenkt. Setzen wir sie ein, wo wir nur können. Um unsere Welt freundlicher, witziger, beherzter und eigentümlicher zu machen. Machen wir es heute wie damals der kluge Schuhmacher. Haben wir den Mut, unserer Phantasie freien Lauf zu lassen!

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