4. Januar: Du bist reich und schön und wertvoll!

Diego de Landa (1524-1579), der spanische Franziskanermönch, Maya-Missionar und spätere Bischof von Yucatán (1573-1579), beschreibt in seinem ausführlichen „Bericht über die Dinge von Yucatán“ (1566) auch die wundersame Pflanzenwelt dieser mexikanischen Halbinsel. Bei einer der dortigen beiden Palmenarten macht er folgende besondere Entdeckung:

„Ich glaube durchaus, daß ich noch weitere Früchte erwähnen müßte, doch ich will noch über die Früchte der Palmen sprechen, von denen es zwei Arten gibt. […] Die zweite Art sind niedrige und sehr stachlige Palmen, deren Blätter nicht den geringsten Nutzen haben; sie sind recht kurz und wenig zahlreich. Diese Palmen tragen ein paar große Büschel mit runden und grünen Früchten, die so groß wie Taubeneier sind. Wenn man die Schale abzieht, bleibt ein harter Kern übrig; und nachdem man ihn aufgeknackt hat, kommt eine runde, haselnußgroße und sehr schmackhafte Mandel heraus, die in Hungerzeiten von Nutzen ist; aus ihr machen sie ein heißes Getränk, das sie morgens zu sich nehmen, und im Notfall könnte man mit ihrer Milch jede Speise wie mit unserer Mandelmilch zubereiten.“ (Diego de Landa [1566])

Ein großartiges Beispiel für das Leben und auch für uns Menschen, wie ich finde. Äußerlich erscheint diese Palmenart eher unansehnlich und untauglich für den täglichen Gebrauch:

* Sie ist klein und niedrig.

* Sie ist sehr stachlig.

* Ihre Blätter haben nicht den geringsten Nutzen. Sie sind zu kurz und außerdem kaum vorhanden.

* Ihre Früchte sind nur so groß wie Taubeneier.

* Die Früchte haben eine Schale.

* Zieht man die Schale ab, bleibt nur ein Kern übrig.

* Dieser Kern ist auch noch steinhart und kaum zu knacken.

All das macht diese Palme und deren Früchte ziemlich unattraktiv. Am liebsten möchte man einen weiten Bogen um diese kleine, stachelige Palme machen. Sie wirft nichts positives aber. Sie bringt einem nichts. Auf den ersten Blick jedenfalls.

Aber wer sich dann die Mühe macht, um den steinharten kleinen Kern der Frucht zu knacken, macht eine erstaunliche Entdeckung. Denn es „kommt eine runde, haselnußgroße und sehr schmackhafte Mandel heraus“. Also etwas sehr köstliches und sehr brauchbares. In Hungerzeiten ist diese Frucht sogar von großem Nutzen. Sie kann einem das Leben retten. Vielleicht deshalb, weil die kleine und stachelige Palme mit ihren kleinen unscheinbaren Früchten sehr widerstandsfähig ist. Aus den kleinen Mandeln kochen die Maya sogar ein herrliches morgendliches Getränk. Nebenbei lassen sich mit der „Milch“ dieser Frucht eine Menge weiterer Gerichte zubereiten.

Also unansehnlich und unbrauchbar nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten ist die kleine Stachelpalme sehr nützlich, ihre Früchte sehr köstlich. Sie erfreute sich deshalb bei den Maya großer Beliebtheit. Sie wussten sie zu schätzen und hätten sie nie und nimmer als ‚Unkraut‘ ausgerissen und weggeworfen.

Ein gutes Gleichnis für uns Menschen. Auf den ersten Blick erscheint uns unser Gegenüber mitunter unattraktiv, stachelig, dornig und ohne großen Wert und Nutzen. Aber der Schein kann trügen. Hinter der Fassade können sich großartige Schätze verbergen. Unser Gegenüber kann total wertvoll sein – besonders in „Hungersnöten“, wenn uns alle unsere anderen Freunden auf- und davongelaufen sind. Dann können die Worte und Gesten solcher kleinen ‚Stachelpalmen-Menschen‘ für unser Überleben sorgen.

Deshalb: Wenn Du Dich heute unansehnlich, klein und unbrauchbar fühlst, verzage nicht. Denn inmitten Deiner ‚harten Kerne‘ verbergen sich mitunter kleine Schätze, schmackhafte Früchte und wertvolle Begabungen. Das, was da in Dir steckt, kann anderen Menschen möglicherweise das Leben retten. Entdecke Deine inneren (und äußeren) Schätze und freue Dich an ihnen. Verschenke sie und mache Menschen, die Du schätzt, damit glücklich. Freue Dich über diesen Tag. Denn so, wie Du bist, bist Du reich und schön und wertvoll!

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